Reinier an Algerthen

Algerthe schreibt zu viel! Ich kenne kein verjagen,
Mein Kleinoth ist das Reich, und du sein bester Stein,
Es wird die Nachwelt mir nicht wissen nachzusagen,
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Das deine Schönheit wird verstossen worden seyn.
Es soll dich meine Hand nicht aus dem Lande treiben,
Ich denck an deine treu und kenne meine Pflicht,
Du solt in meinen Reich und deinen Ehren bleiben,
Den meine neue Brunst verlescht die alte nicht.
Ich bin ein Held und weiß dich Heldin auch zu lieben,
Ich schau dich noch erhitzt und blutig vor mir stehn,
Den abgematten Feind für deinen Augen gieben,
Und deinen strengen Fuß durch blasse Leichen gehn.
Mich deucht ich spühre noch das Böben deiner Brüste,
Darauf der Schweden Bluth dir als Corallen stund,
Ich weiß was mir gefiel, als ich dich erstlich küste,
Und in der neuen Lust befeuchte deinen Mund.
Die süsse Kützelung laufft noch durch meine Lenden,
Als ich die Erstlinge von deinen Bluhmen brach,
Und mein Algerthe steht noch in Genaden Händen,
Ja geht, was Gunst betrifft, gewißlich keiner nach.
Die Pfänder so du mir hast auff die Welt gebohren,
Die mich in süsser Lust offt haben angelacht,
Verjüngen mir itzund diß, was ich dir geschworen,
Und stärcken mir den Bund, den ich mit dir gemacht.
So redet die Natur, doch muß Sie Sclavin werden,
Man schauet wie sie sich offt meistern lassen muß,
Wie offt Sie zinsbar wird den zeitlichen Beschwerden,
Und durch den Zufalls Trieb verändert Gang und Fuß
Du weist wie Könige ein schweres Eisen plaget,
Wie Ihre Crone Sie in Fessel hat gebracht,
Wie offt ein hoher Schluß Sie aus sich selber jaget,
Und stetig die Gefahr für Ihrem Throne wacht.
Diß alles nöthigt mich auf ander Art zu dencken,
Als wohl die Eigenschafft von meinen Hertzen will,
Die Liebe heißt mich zwar auf dich mein Auge lencken,
Doch meines Reiches Nutz verrückt mir Maß und Ziel.
Ein Wetter so mit Blitz und harten Donner dräuet,
Begint ein neues Joch, und meistert meinen Sinn,
Was ich zuvor gethan, hat mich zwar nicht gereuet,
Doch wird die Furcht forthin zu meiner Kuplerin;
Der Schweden starckes Reich muß ich zum Freunde haben,
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Es ist ein eisern Schild der mir mein Land bedeckt,
Die Milch von ihrer Gunst kan meinen Adel laben,
Wie Wermuth ihres Grims Ihm alle Krafft ersteckt.
Und diese Freundschafft muß nur Eh und Blut verbinden,
Der Sachen Eigenschafft erfordert solches Pfand.
Wer rechnet in der Welt der Fürsten kleine Sünden,
Wann sie nur seyn gethan zu stärcken Stadt und Land?
Der Grund von meiner Ruh ist sonst auf nichts zu legen,
Als auf derselben Schoß, die Schweden Fräulein nennt;
Aus diesem kanstu nun den starcken Zug erwegen,
Der mich dir unverhofft von deiner Seite trennt.
Ich glaube leicht daß dich ein süsses Angedencken
Der abgelebten Zeit mit Dornen überstreut,
Doch konnten Cronen dich in Hochmuth nicht versencken,
So trag' auch mit Gedult der Dornen Bitterkeit.
Ich weiß sowohl als du diß was ich dir geschworen,
Wohl dem der seinen Eyd zu halten sich befleisst;
Doch bin ich vor das Reich mehr als vor dich gebohren,
So meine Mutter ist und mich doch Vater heisst.
Und laß' ich gleich itzund dich ferner zu berühren,
Beklagstu daß mein Mund den deinen meiden muß,
So wird doch keine Zeit dir diesen Ruhm entführen,
Daß dir ein König gab den ersten Liebes Kuß;
Die Früchte so durch mich aus deiner Schoß gestiegen,
Sind Zeugen was Ich dir zu leisten schuldig sey;
Die Tugend schlummert nicht, und bleibt auch nicht verschwiegen,
Sie kennet keinen Sarg, und ist vom Tode frey.
Was willt du mehr als diß, wenn ich die Nachwelt lehre,
Algerthe hat den Printz der Schweden ümbgebracht,
Ihr Tugendhaffter Geist erwarb' Ihr auch die Ehre,
Daß Sie mein Lager hat zu einer Frau gemacht.
Ich war ihr Mann und Freund und kan sie noch nicht hassen;
Wiewohl ich Ihren Leib, den schönen Leib verließ,
Der Schweden Fräulein must ich ja für sie ümfassen,
Dieweil es mich die Noth, doch nicht die Liebe, hieß.
Was aber laß ich doch? Den Leib mit seinen Gaben,
Diß alles wird ein Raub der leichten Zeit genennt;
Die Geister, so einmahl sich fest ümbwickelt haben,
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Und mehr als Schwestern sind, verbleiben ungetrennt.
Mein Geist wird deinen Geist stets Freund und Bruder heissen,
Sie schmecken einen Kuß, den nichts vergällen kan,
Sie kan der Zeiten Sturm nicht von einander reissen;
Der Himmel legt sie selbst mit neuen Kräfften an.
Entgeht dir gleich mein Leib, so bleibt dir doch die Seele,
Die Schwedin soll mir Gold, du aber Silber seyn,
Und daß ich, liebster Schatz, ja nichts für dir verhöle,
Wir stellen nur die Eh' und nicht das Lieben ein;
Und unser lieber Sohn, die Frucht der ersten Küsse,
Friedleben sey ein Herr Norwegens mit der Zeit,
Ich will, das dieses Wort mit seiner Krafft versüsse,
Der Dräuung Ungemach, der Zeiten Bitterkeit.
Die neue Liebe wird die alte nicht verjagen,
Dein Angedencken ist zu tieff mir eingepregt,
Was ich zuvor geküst, das küst' ich mit Behagen,
Itzt küß ich was die Noth mir an die Seite legt.
Algerthe weine nicht, erfrische deine Sinnen,
Es wird dein Ehren Ruhm durch meine Hand bedeckt,
Und glaube, daß kein Kuß mich wird erfreuen können,
Dafern sein Zucker nicht nach deinen Lippen schmeckt.

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Citation Suggestion for this Object
TextGrid Repository (2012). Hoffmannswaldau, Christian Hoffmann von. Gedichte. Sinnreiche Heldenbriefe. Liebe zwischen Reinier Königen aus Dännemarck. Reinier an Algerthen. Reinier an Algerthen. Digitale Bibliothek. TextGrid. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0003-6C53-F