[261] 25. Oh, Jöching Päsel, wat büst du för'n Esel!

De Leutnant von Karfunkelstein,
De kümmt tau Hus, dunn liggt dor ein
Inladungskort up sinen Arbeitsdisch.
(So würd de Disch gewöhnlich heiten,
Wil doran drunken würd un eten
Un af un an ok spelt en beten
Mit Rechtsch un Linksch; doch dat dürwt keiner weiten.)
Kort, up den Disch, dor liggt de Kort,
Un as hei s' nimmt un sick besüht,
Hadd hei binah vör Ärger rohrt:
Dit schöne Middageten hüt!
De gned'ge Fru von Diamant
Was in de ganze Stadt bekannt,
Dat sei am besten ded traktieren,
Un in 'ne Stun'n süll hei marschieren!
Un dortau was – »nein, wie infam!« –
De Witwe ok sin Herzendam.
Hei hadd so girn hüt bi ehr seten,
An ehr Gerichten satt sick eten,
Denn heites Hart un hungrig Magen,
De seten bi em dicht tausam! –
Un't was ok würklich ganz infam!
Doch dor helpt nicks, dor helpt kein Klagen,
Hei müßt marschieren, dat müßt sin.
Hei röppt nu sinen Burßen rin
Un seggt em ganz genau Bescheid,
Dat hei unmäglich kamen künn.
»Weißt du's nun auch?« – »Herr Leutnant, ja!«
Un uns' gaud Jochen Päsel geiht.
Den Leutnant föllt wat in, hei ritt
Dat Finster up un röppt em nah:
»Und dann bring gleich das Essen mit.«
[262]
Un Jochen Päsel kümmt tau'r gned'gen Fru.
»Was gibt's, mein Sohn, was bringest du?«
»Empfehlung von'n Herrn Leutinant
An gned'ge Fru von Diamant,
Un was mein gnedigst Leutnant wär,
Der kem heut nich zu's Essent her,
Denn nach 'ner guten Stunde schon
Müßt allens gnedigst abmarschieren,
In Woldek wär 'ne Rebellion,
Un täten hellschen rebellieren
Von wegen einer Holzgeschicht,
Un dorüm könnt Herr Leutnant nicht.«
»Das ist ja schad, das tut mir leid!«
Un Jochen Päsel steiht un steiht
Un ward de Feldmütz dörch de Knäwel wringen.
Sei fröggt, worüm hei denn nich geiht?
»Das Essent«, seggt hei, »süll ich bringen.«
Na, sei is denn en lustig Wiw,
Dat up en Spaß sick gaud versteiht,
Un seggt tau em: »Na, täuw, denn bliw
Man noch en Ogenblicking hir.«
Un in en blotes Ümseihn wir
En groten Korf vull Eten packt
Un Jochen Päseln upgesackt.
De dröggt denn munter dormit furt.
Sin gnedigst Leutnant hett all lurt
Un set't sick ganz verdreitlich nedder.
»So«, seggt hei, »na, nu giwwt dat wedder
Den ew'gen Swins- un Hamelbraden,
Ach, bei der Diamant geladen,
Bei einem solchen Weib zum Küssen,
Und dann von Platen essen müssen!«
Doch ward em bald ganz narsch tau Maud'.
Dat Eten, dat is würklich gaud,
So hett em dat seindag nich smeckt;
[263]
Un Brad, Pasteten, Is, Konfekt –
Un nu noch gor 'ne Buddel Sekt!
Dat is en Eten, as sick't hürt,
As sick dat för en Leutnant hürt,
De in den blassen Dod marschiert
Un sick tauletzt noch regaliert.
Hei fröggt den Kirl, ob denn bi Platen
Villicht 'ne Hochtid utrüst't wir
Oder ob hei wedder döpen laten.
»Ne«, seggt uns' Jochen, »dat's von ehr.«
»Wo«, fröggt de Leutnant, »ist es her?«
»Na, von de Fru von Diamant,
Ick süll mi dat dor glik jo föddern.«
Na, nu denn uns' Herr Leutinant!
De ward denn los nu dunnerwedern
Up unsen leiwen Jöching Päsel;
Up Ihr un Gasch' un Talj tauswören,
Hei wir de allergrötste Esel,
De up twei Beinen rümmer lep,
Un wenn hei't mal taufällig dröp,
Dat sei mit Jöching Veihus-Dören
Inrönnen deden,
Hei, de Herr Leutnant, würd't nich wehren.
Indessen ok so'n Leutnantszorn
Hett sine Tid, hei towt sick ut,
Un as de Leutnant ruhig word'n,
Dunn treckt hei sinen Büdel rut
Un langt drei Daler d'rut hervör
Un nimmt s' un röppt: »Komm hier mal her!
Hier sind drei Taler. Siehst du, Esel?«
»Wohl, zu Befehl«, seggt Jochen Päsel.
»Die nimmst du hier und gehst sogleich
Zu dem Konditor Butterteig –
Verstehst du mich auch recht, du Esel?«
»Befehl, Herr Leutnant«, seggt uns' Päsel.
»Da forderst du dir eine Torte,
[264]
Die schönste, die da ist im Laden,
Und trägst sie nach demselben Orte,
Wo ich zu Mittag war geladen,
Und sagst zur Frau von Diamant,
Du wärst als Esel längst bekannt,
Sie möge gnädigst dir verzeihn,
Und wenn die Tort ihr halb so schmeckte
Wie mir die Braten und Konfekte,
Die sie so freundlich mir gesandt,
So würd's für mich 'ne Wollust sein.
Hast nun verstanden, dummer Esel?«
»Befehl«, seggt wedder Jochen Päsel.
Un Jochen geiht un bringt denn nu
Den Kauken tau de gnedige Fru.
»Empfehlung von Herrn Leutinant
An gned'ge Fru von Diamant ...«
»Was bringst du da, mein lieber Sohn?«
»Und wär als Esel längst bekannt,
Un gned'ge Fru von Diamant ...«
»Na, laß nur, laß, ich weiß das schon.«
»Und sollten gnädigst doch verzeihn,
Un einen Kauken is dadrein,
Und sollt for Sie 'ne Wollust sein.«
De gned'ge Fru, de lacht denn sihr.
»Na, sag dem Herrn Lieutenant,
Wenn er erst wäre wieder hier,
Dann sprächen wir wohl mal darüber.
Und grüß ihn nur, und hier, mein Lieber«,
Drückt em en Daler in de Hand
Un denkt denn nu, hei sall nu gahn.
Doch Jochen, de bliwwt stramm bestahn
Un höllt de Hand so vör sick hen
Un kickt sick in de Hand herin,
As hadd hei nie en Daler seihn.
»Was stehst du noch? Was wartest du?«
[265]
Fröggt em tauletzt de gned'ge Fru,
»Nun ist ja allens in der Reih'.«
»Ne«, seggt uns' Jochen, »dit 's man ein,
De Kauken kost't uns sülwen drei.«

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TextGrid Repository (2012). Reuter, Fritz. Gedichte. Läuschen un Rimels. Neue Folge. 25. Oh, Jöching Päsel, wat büst du för'n Esel!. 25. Oh, Jöching Päsel, wat büst du för'n Esel!. Digitale Bibliothek. TextGrid. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-8EEB-F