[207] [209]Geschichte eines Wienerkindes

1.

[209] [213]I.

Im Frühling des Jahres 1870 fand in dem Wiener Vororte, wo ich damals meinen Wohnsitz genommen hatte, eine festliche Hochzeit statt. Fast der gesamten Einwohnerschaft waren zierlich gedruckte Anzeigen zugegangen, und wer nur irgend abkommen konnte, der fand sich auch am festgesetzten Tage zum feierlichen Trauungsakte in der geräumigen Pfarrkirche ein. Ich konnte gleichfalls nicht umhin, zu erscheinen, denn ich war mit dem Bräutigam persönlich bekannt, wenn auch nicht näher, als dies öftere Begegnungen an öffentlichen Orten mit sich zu bringen pflegen. Er war ein junger Mann in den ersten Dreißigern und so recht das Bild eines Wiener Bürgersohnes von älterem Schlage. Nicht allzu groß, dabei leicht zu körperlicher Überfülle neigend, hatte er ein hübsches, frisch gefärbtes Gesicht und äußerst gutmütige blaue Augen, die in beständiger Heiterkeit strahlten. Er kleidete sich nach neuestem Schnitte und hatte eine Vorliebe für bunte Halsbinden, nahm sich aber keineswegs geziert oder geckenhaft aus; vielmehr trat in seinem ganzen Wesen eine gefällige, etwas sorglose Natürlichkeit zu Tage. Sein Vater, ein wohlhabender Mann, hatte es aus kleinen Anfängen heraus zum Stadtzimmermeister gebracht und am Eingange des Ortes ein ansehnliches Familienhaus erbaut, an das sich ein großer Arbeitsplatz und weitläufige Holzlager schlossen, zu welchen Liegenschaften sich im Laufe der Zeit noch ausgedehnte Ziegeleien in der nächsten [213] Umgebung gesellten. Als der alte Städler starb, teilten sich zwei Söhne in den wohlgegründeten Besitz, so zwar, daß der ältere, welcher bereits verheiratet war, die Zimmermeisterei weiter betrieb, der Jüngere aber das Holzgeschäft und die Verwaltung der Ziegeleien übernahm, nebenher ein behagliches, jedoch keineswegs lockeres Junggesellenleben fortführend. Jetzt aber war er, wie sich zeigte, dessen überdrüssig geworden; im Stammhause war Raum genug für eine zweite Familie – und so hatte er eben nur die Braut zu wählen gehabt.

Die Kirche, durch deren gotische Bogenfenster das Licht eines sonnigen Maitages fiel, war überfüllt; wie natürlich, zeigte sich das weibliche Geschlecht vorwiegend vertreten und harrte mit Spannung auf das Erscheinen der Brautleute. Und als dieses jetzt endlich erfolgte und das junge Paar mit einem zahlreichen Anhange in die Kirche trat, da ging ein vernehmbares Murmeln der Bewunderung durch den stillen Raum, und aller Augen folgten der Braut, die in der Tat einen entzückenden Anblick darbot. Hohen Wuchses den Bräutigam etwas überragend, schritt sie an seinem Arm, bleich vor innerer Erregung, mit gesenktem Haupte dem Altare zu. Der wallende Schleier, der Myrtenschmuck im dunkelblonden Haar, das matte Weiß des Hochzeitskleides gaben der kräftig schlanken Gestalt etwas sanft Verklärtes, und als sie jetzt aufblickte, schimmerten ihre Augen hell wie Gold. Man war erstaunt und atmete kaum; so viele, so makellose Reize hatte man nicht zu sehen erwartet. Auch ich war überrascht – doppelt überrascht. Denn ich hatte das schöne Geschöpf, das jetzt in reifer Märchenhaftigkeit vor den Altar trat, in fast noch knospender Entwicklung gekannt, und während nunmehr der Priester seine Anrede hielt, das Brautpaar mit klangvollen Stimmen die Jaworte sprach und die Ringe gewechselt wurden, erinnerte ich mich an folgendes.


* * *


[214] Es war zu Anfang der Sechziger Jahre. Ich hatte den Soldatenrock noch nicht lange ausgezogen und mich mit meinen literarischen Hoffnungen und Entwürfen in einer stillen Vorstadtwohnung eingesponnen, die ich in der Regel während der ersten Nachmittagsstunden verließ, um in einer nahe gelegenen Gastwirtschaft mein Mahl einzunehmen. Auf dem Wege dahin mußte ich an einem stattlichen Hause vorüber, an einer jener Neubauten, wie sie damals allerorten emporwuchsen und hier der Hauptstraße der Vorstadt ein immer vornehmeres Aussehen verliehen. Es gehörte, wie ich später erfuhr, der Witwe eines Baumeisters, der die Herstellung auf eigene Rechnung in Angriff genommen hatte, inzwischen aber mit dem Tode abgegangen war. An einem Fenster des ersten Stockwerkes, in welchem die Eigentümerin wohnte, gewahrte ich nun öfter das reizende Profil eines Mädchens, das hinter einer Reihe wohlgepflegter Blumentöpfe saß. Die noch sehr jugendliche Schöne wendete natürlicherweise den Kopf bisweilen nach der Straße, und so kam es, daß sich eines Tages unsere Blicke begegneten, wobei nur ihre hellen Goldaugen besonders auffielen. Seitdem stellte sich zwischen uns eine Art stillen Einverständnisses her, so zwar, daß sie mich jetzt immer zu erwarten schien und sich, wenn sie mich kommen sah, hinter den Blumen erhob, mir auf diese Art auch den Anblick ihrer zarten Büste zuteil werden lassend. Obgleich ich nun keinerlei Absichten hegte, so spann ich doch den Faden des kleinen Romans in anmutigen Träumen fort, indem ich es gewissermaßen dem Schicksale überließ, ob es mich vielleicht ohne mein Zutun dem holden Geschöpfe näher bringen wolle. Es durchzuckte mich daher ein freudiger Schreck, als ich sie eines Tages, da ich gerade auf dem Heimwege begriffen war, sehr zierlich gekleidet aus dem Haustor treten und in die nächste, nur ein paar Schritte entfernte Seitengasse einbiegen sah. Im ersten Augenblick war ich wie eingewurzelt stehen geblieben; dann aber folgte ich ihr. Sie trug ein helles, blau gestreiftes Sommerkleid und [215] ein braunes Strohhütchen, das mit künstlichen Feldblumen geschmückt war. Zum ersten Male hatte ich ihre hohe, schlanke Gestalt ganz vor Augen und konnte die harmonischen Gliederbewegungen, die kräftig ausschreitenden Füßchen und die dichte Fülle des Haares bewundern, das ihr, nach der Mode jener Zeit, halbgelöst, in einem feinen Seidennetze weit über den Nacken hinabhing. Sie mußte mich vorhin gleichfalls wahrgenommen haben, denn sie wendete öfter den Kopf zur Seite, wie um zu spähen, ob ich ihr gefolgt und in der Nähe sei.

Jetzt hatte sie die Gasse durchschritten, welche in eine breite, von Menschen und Fuhrwerken sehr belebte Straße mündete. Dort blieb sie einen Augenblick unschlüssig stehen, setzte dann behutsam auf den Fußspitzen über den Fahrweg, der erst vor kurzem bespritzt worden war, und ging jenseits, sich nach rechts wendend, noch ein Stück fort, um in eine jener stillen, nach dem Südbahnhof führenden Gassen einzubiegen, welche damals noch zum größten Teil von wipfelüberragten Gartenmauern gebildet wurden. Tat sie das, um mir Gelegenheit zu ungescheuter Annäherung zu bieten? Kaum konnte ich daran zweifeln, denn sie hatte ja jetzt mit einer raschen Wendung nach mir zurückgeblickt. Dennoch und obgleich ich nun ebenfalls die Gasse betrat, konnte ich einer gewissen mutlosen Befangenheit nicht Herr werden und hielt mich noch immer in einiger Entfernung. Endlich, da ich sah, daß sie langsamer zu gehen anfing, faßte ich ein Herz und war bald an ihrer Seite, indem ich mich, den Hut lüftend, in einem Gewirr von Worten verfing, wie man sie bei ähnlichen Anlässen zur Entschuldigung zu stammeln pflegt.

Sie blickte mich leicht von der Seite an und brach dann in ein klingendes Lachen aus.

»Entschuldigen Sie sich doch nicht gar so sehr«, sagte sie. »Wir sind ja alte Bekannte, denn Sie gehen täglich an unserem Hause vorüber. Aber wer sind Sie eigentlich?« fuhr sie nach [216] einer Pause fort, indem sie mich jetzt mit ihren hellen Augen eindringlich musterte.

Ich gestehe, daß mich nunmehr eine eigentümliche Verlegenheit überkam. Der Berufstitel »Schriftsteller« diente zu jener Zeit noch nicht zu besonderer Empfehlung; man war weit eher geneigt, einige Mißachtung daran zu knüpfen. Überdies hatte ich noch keine öffentlichen Proben meiner Tätigkeit abgelegt, war daher gewissermaßen weder Fleisch noch Fisch. Dennoch mußte ich mich entschließen, mit einiger Beklemmung zu sagen: »Ich bin Schriftsteller«.

»So«, erwiderte sie gedehnt. »Und was schreiben Sie denn?«

Neue Verwirrung meinerseits. »Nun – Dramen – Novellen –«

Ich konnte bemerken, wie sich ihr Näschen, dessen seine Nüstern leicht geschwellt waren, ein wenig rümpfte.

»Also ein Dichter!« sagte sie spöttisch. »Aber das tut nichts; Sie sehen gar nicht danach aus. Für heute übrigens«, setzte sie kurzweg hinzu, »müssen wir uns trennen. Bleiben Sie hier zurück; mein Weg führt mich nach einer ganz anderen Richtung, und begleiten dürfen Sie mich nicht. Wenn Sie aber wieder mit mir zusammentreffen wollen, so kommen Sie einmal zu Schwott. Sie wissen doch –?«

»O ja, ich weiß –«

»Nun also. Jeden Samstag, manchmal auch an Donnerstagen bin ich abends dort. Es ist sehr lustig. Und nun leben Sie wohl!« Sie streckte mir die Hand entgegen, drückte die meine kurz und kräftig und eilte mit raschen Schritten den Weg zurück, auf dem sie gekommen war.

Ich jedoch blieb mit sehr niederdrückenden Empfindungen in der verödeten Gasse stehen. Schon das anfängliche Lachen und die ersten Worte des jungen Mädchens hatten mich befremdet; die ungezwungene, gleichsam überlegen leichtfertige Art und Weise, in der sie sich gab, hatte mich mehr und mehr [217] enttäuscht und ernüchtert; – bei ihrer Aufforderung aber, zu »Schwott« zu kommen, war ich vollends aus allen Himmeln gefallen.

Zu Schwott! Es war dies eine nach ihrem Besitzer benannte Tanzschule, die sich in einem alten, heute nicht mehr bestehenden Häuserkomplex der inneren Stadt befand. Sie wurde weit weniger des Unterrichtes wegen besucht, den man dort erteilte: ihre Hauptanziehungskraft waren die sogenannten »Gesamtübungen«, welche an drei Abenden der Woche stattfanden. Nicht bloß ein Teil der jeunesse dorée in all ihren Spielarten erschien dabei; es kamen auch ältere, ja selbst alte Lebemänner, die hier im Trüben zu fischen gedachten. Denn es war bekannt, daß man in den schwülen und überfüllten Räumen der Tanzschule neben interessanten, vielumworbenen Erscheinungen aus der feineren weiblichen Halbwelt auch den frischen Reizen von Beamten- und Bürgerstöchtern begegnete, die sich, wie man annehmen konnte, ohne Vorwissen ihrer Angehörigen hierher begaben, jugendlicher Vergnügungssucht – oder auch schlimmeren Antrieben folgend. Ich selbst war in früherer Zeit einmal dort gewesen und hatte es, wie meine Schöne gesagt, in der Tat sehr lustig gefunden. Aber auch sie war in diesem ruchlosen Gewirre zu treffen – sie, die mir hinter ihren Blumen als Bild der Jungfräulichkeit erschienen war! Ich fühlte, wie sich mir jetzt bei diesem Gedanken das Herz zusammenzog. Trotzdem wäre ich immerhin genug Realist gewesen, um ein Stelldichein von seiten eines so reizenden Geschöpfes unter allen Umständen willkommen zu heißen. Um aber mit einer jungen Dame, die zu »Schwott« ging, in nähere Beziehung zu treten, dazu waren meine Verhältnisse in keiner Weise angetan. So kam ich denn, während ich langsamen Schrittes nach Hause ging, mehr und mehr zur Einsicht, daß der Sache ein für allemal ein Ende zu machen und jeder weitere Verkehr abzubrechen sei. Die Ausführung dieses Entschlusses wurde mir auch durch äußere Umstände erleichtert.[218] Denn, nachdem ich eine Zeitlang vermieden hatte, mich in der Hauptstraße zu zeigen, mußte ich infolge einer Kündigung meine Wohnung räumen. Ich mietete mich hierauf in einem entlegeneren Teile der Vorstadt ein und sah die schöne Elise Schebesta – den Namen hatte ich später in Erfahrung gebracht – in der Tat nicht mehr. Einmal nur, als ich an einem nebligen Oktoberabende die innere Stadt durchschritt, glaubte ich beim Scheine der Gasflammen erkannt zu haben, daß sie an der Seite eines sehr vornehm aussehenden Herrn in einem Fiaker an mir vorübergefahren war.


* * *


Und nun, nach einer Reihe von Jahren, stand sie, schöner denn je, mit schimmernder Myrte geschmückt am Altar .....

Die Zeremonie war zu Ende, und die Menge drängte aus der Kirche in den leuchtenden Tag hinaus, um die Teilnehmer der Hochzeit noch in die Wagen steigen zu sehen. Diese aber fuhren jetzt, während sich der Schleier der Braut in der wehenden Luft aufbauschte und leicht hin und her flatterte, dem Bürgerhause zu, das am Eingange des Ortes mit blumengeschmückter Pforte dem fröhlichen Einzug entgegen harrte.

2.

II.

Die Neuvermählten mußten keine Hochzeitsreise angetreten haben – keine längere wenigstens, denn schon in nächster Zeit begegnete ich ihnen bei einem Spaziergange an dem stillen, den Vorort abgrenzenden Douaugelände. Es war ein milder, leicht bewölkter Abend, und die Ufer des Kanals, tagsüber durch anlangende Frachtschiffe und Holzflöße reich belebt, zeigten sich gänzlich verödet; nur ein geduldiger Angler saß an dem sanft dahin fließenden Wasser. Ich war um diese Zeit oft hier zu finden, denn ich liebte die stimmungsvolle Einsamkeit der Gegend, und auch die beiden hatten sie wohl aufgesucht, um sich ungestört im Freien ergehen zu können. Sie schritten Arm in Arm, [219] dicht aneinandergeschmiegt das Ufer entlang und blickten gemeinsam nach einem Eisenbahnzuge, der eben jenseits, über eine frei ragende Brücke hinweg, ins Land hineinbrauste. Als ich an ihnen vorüberkam, mußte ich einen Gruß darbringen, wobei mich die Besorgnis anwandelte, daß mich die junge Frau vielleicht sofort wieder erkennen würde. Aber wiewohl sie mich, den Gruß mit ihrem Gatten erwidernd, rasch und aufmerksam betrachtete, so konnte ich doch ihrem Gesichtsausdruck nicht entnehmen, ob dies der Fall gewesen; wahrscheinlich hatte sie mich bereits vollständig aus dem Gedächtnisse verloren. Ich konnte später nicht umhin, stehen zu bleiben und dem Paare nachzublicken, bis es hinter einer hohen Baumgruppe, die, wie auf einem holländischen Landschaftsbilde, ein altes, einzeln stehendes Gebäude umdunkelte, verschwand. Trotz allem, was mir bekannt war, überkam mich jetzt ein wehmütiges Gefühl der Verlassenheit – ein fast an Neid streifendes Nachempfinden des Glückes, das ich da vor Augen gehabt. –

Und dieses Glück schien in ungetrübter Dauer vorhalten zu wollen, wenngleich die schöne Frau Stadler mit einem etwas herausfordernden Benehmen ziemlich gewagte Toiletten zur Schau trug, und ihr, wenn sie sich an gewissen Abenden der Woche mit ihrem Gatten in einem vielbesuchten Gasthause einfand, am Stammtische alles aufs lebhafteste den Hof machte. Da geschah es auch oft genug, daß sie noch in später Nachtstunde, von einem lauten, angeheiterten Männerschwarme umringt, in das nahe gelegene, menschenleere Kaffeehaus trat, wo man lärmend Platz nahm und bei dampfenden Punschgläsern den erregten Lebensgeistern vollends die Zügel schießen ließ. Dennoch verlautete nichts, was dem Rufe der Dame zu nahe getreten wäre; sie schien vielmehr neben diesem heiteren Lebensgenusse ihre Pflichten in jeder Hinsicht sehr gewissenhaft zu erfüllen. Sie war, das sah man, eine vortreffliche Hausfrau, besorgte alle Einkäufe selbst, zeigte sich jeden Sonn- und Feiertag in der Kirche, und als sie im zweiten Jahre ihrer Ehe[220] Mutter geworden war, vollzog sich auch in ihrem Wesen ein sichtlicher Wandel. Sie kleidete sich weit einfacher, erschien immer seltener am Stammtische und war auf der Straße meistens nur, höchst aufmerksam und besorgt, hinter einem netten Korbwägelchen sichtbar, das von einer Magd geschoben wurde und in welchem ein rosiges Kindchen unter einem blauen Schleier schlummerte. Ja, wenn man späterhin die einst so lebendige und bewegliche Frau sah, wie sie mit zunehmender Leibesfülle und leicht schwellendem Doppelkinn an schönen Sommerabenden sich aus dem Fenster lehnte und mit einer Art von satter Zufriedenheit auf die belebte Straße hinabblickte, da machte sie so recht den Eindruck des Soliden und Altbürgerlichen. Dann war es mir auch immer, als hätte ich ihr etwas abzubitten, und ich kam zur Einsicht, wie töricht und ungerecht es sei, von Vergangenem stets auf das Zukünftige schließen zu wollen. Was lag daran, daß sie als Mädchen, wie es im Volksmunde heißt, ihr Leben genossen hatte? Wenn sie jetzt nur eine treue, sorgsame Gattin, eine liebende Mutter war – und ihren Mann beglückte. Und daß sie ihn beglückte, das erkannte man an seinen heiteren Mienen, seinen strahlenden Augen. Auch er hielt sich jetzt von Vergnügungen ziemlich fern und schien sich mit Vor liebe auf sein trauliches Heim zu beschränken, das nunmehr schon zwei heranwachsende Kinder belebten, ein Knabe und ein Mädchen, schön und blühend, wie aus einem Gemälde von Rubens herausgeschnitten.

Da begab es sich eines Winters, daß in dem Vororte eine Persönlichkeit sichtbar wurde, welche die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war dies ein hochgewachsener, noch ziemlich jugendlicher Mann von überaus vornehmem Äußeren, der im Hôtel garni Wohnung genommen und sich in das Meldebuch als Leo Röber, Fabrikdirektor, eingezeichnet hatte. Gleichwohl schien er ohne jegliche Beschäftigung zu sein und gehabte sich wie jemand, der in völliger Unabhängigkeit von seinen Renten lebt. Er machte, wenn auch im stillen, ziemlichen Aufwand,[221] speiste im Kasino, das mit dem Hotel in Verbindung stand, an einem eigens für ihn bereit gehaltenen Tische, und bei Fahrten nach der Stadt bediente er sich, Omnibus und Pferdebahn verschmähend, stets eines Mietwagens. Nach und nach verlautete indes, daß die Fabrik, deren Direktor er sich nannte, erst im Entstehen begriffen, er selbst aber von einer Aktiengesellschaft beauftragt sei, in der Umgebung des Ortes den Anlageplatz zu ermitteln und Voranschläge zu entwerfen. Endlich schien er dies auch in Angriff nehmen zu wollen und trat mit einigen einheimischen Fachleuten – worunter die Gebrüder Stadler – in allerlei Unterhandlungen, ohne sich jedoch mit einem von ihnen näher und bestimmter einzulassen, wie er denn überhaupt jedem umgänglichen Verkehr mit sehr hochmütiger Zurückhaltung auswich. Auch bei den Bällen, welche im Laufe des Karnevals in dem großen Saale des Kasinos stattfanden, erschien er bloß als steifer Zuschauer, in tadellosem Frack, eine weiße Kamelie im Knopfloch. Ich selbst kümmerte mich um ihn begreiflicherweise sehr wenig, wenn ich auch bei zufälligen Begegnungen auf der Straße nicht umhin konnte, seine wirklich auffallend schöne und interessante Erscheinung mit Wohlgefallen zu betrachten. Und er war, wie alle unbeschäftigten Menschen, häufig genug auf der Straße anzutreffen. Vor allem liebte er es, in der Lindenallee auf und nieder zu schreiten, welche sich vom Eingang des Ortes bis zum Linienwalle erstreckte. Diese Allee, im Sommer schattig und duftig, jetzt aber kahl und durchsichtig, führte an dem freistehenden Stadlerschen Hause vorüber, von diesem durch die breite Fahrstraße getrennt; auf der anderen Seite dehnten sich, niedrig eingeplankt, weitläufige Felder aus. Als ich eines Tages – es war schon im März, und die Sonne schien hell und warm – mit der Pferdebahn aus der Stadt zurückkehrte, gewahrte ich ihn dort schon von weitem und glaubte zu bemerken, daß er im Gehen nach den Fenstern des Bürgerhauses emporspähte, dem wir uns jetzt beide näherten. Im Vorüberfahren folgte ich unwillkürlich [222] seinem Blicke und sah, daß Frau Elise aufrecht dicht hinter den Scheiben stand. Wie ein Blitz durchzuckte es mich, daß hier ein Einverständis obwalte. Aber tat ich den beiden nicht vielleicht unrecht? Konnte ich mich nicht täuschen? Eine Zeitlang dachte ich darüber nach; zuletzt aber sagte ich mir, daß mich ja die Sache ganz und gar nichts angehe, und ließ meine Vermutung um so mehr auf sich beruhen, als ich eben mit Vorbereitungen zu einer Reise nach Italien beschäftigt war, die ich bald darauf antrat.

3.

III.

Meinem Wanderaufenthalte im Süden war ein ziemlich langer und seßhafter bei einem Freunde in Steiermark gefolgt, und so waren auch bis zu meiner Rückkehr beinahe zwei Jahre vergangen. Meine Wohnung hatte ich beibehalten, und als ich im Zwielicht eines frostigen Spätherbstabends ankam, fand ich in dem mir so lieb gewordenen Vororte vieles verändert. Gleich neben dem Stadlerschen Hause zeigten sich neue Bauten: arg verschnörkelte, aber doch höchst stattliche und geräumige Villen, zwischen denen sich der alte Bürgersitz, um einen sehr großen Teil seines freiliegenden Grundes beschnitten, recht eng und gedrückt ausnahm. Zudem wies er sich äußerlich sehr vernachlässigt; die Tünche war verwittert, die Fenster dunkelten wie erblindet. Im weiteren Verlauf der Straße überraschte mich eine Anzahl prunkvoll erleuchteter Kaufläden; auch war der Verkehr viel lebhafter, als es sonst um diese Stunde der Fall gewesen. Als ich am nächsten Morgen ausging, begegnete ich fast lauter unbekannten Gesichtern, ein Zeichen, daß viele neue Einwohner zugewachsen waren. Erhoben sich doch, wie ich jetzt sah, überall neue Häuser; selbst die Querstraße, die man nicht lange vor meiner Abreise durch eine weite Flucht verwüsteter Gärten abgesteckt hatte, war in zwei Reihen kleiner Paläste fast ausgebaut. Ich trat, um zu frühstücken, in das Kaffeehaus. Dort war alles beim Alten geblieben; nur die [223] Fenster hatte man vergrößert und mit hellen Spiegelscheiben versehen. Im übrigen ebenfalls fremde Gäste, mit Ausnahme eines bejahrten Mannes, der eine Brille mit dunklen Gläsern auf der stark geröteten Nase trug. Er war mir von früher her als Gemeindesekretär bekannt, und ich wunderte mich, ihn während der Amtsstunden hier zu treffen. Als ich grüßend auf ihn zutrat, hatte er einige Mühe, mich zu erkennen, freute sich aber dann sehr des Wiedersehens und teilte mir mit, daß er vor zwei Monaten seine Pensionierung erhalten habe. Seines zunehmenden Augenleidens wegen. Damit stehe es jedoch, Gott sei Dank, noch immer nicht gar so schlimm; es wäre eben nur ein willkommener Vorwand für den neuen Herrn Bürgermeister gewesen, um ihn, den alt gedienten und verdienten Beamten, beiseite zu schieben. Der Mann wolle nun einmal alles von Grund auf umwandeln. »Ja,« fuhr der Alte in wehmütigem Tone fort, »die schönen, gemütlichen Zeiten sind vorüber, und unser liebes Döbling nimmt eine andere Gestalt an. Schon heute ist es kaum mehr zu erkennen – geben Sie acht, in einigen Jahren wird es ganz und gar mit der Stadt zusammengewachsen sein. Hoffentlich erleb' ich das nicht mehr.«

Ich suchte ihn zu trösten und erkundigte mich nach diesem und jenem, unter anderem auch nach den Stadlers.

»Die Stadlers? Wissen Sie denn nicht, daß der jüngere gestorben ist?«

»Gestorben?«

»Jawohl, – es war eine recht traurige Geschichte.«

»Wieso?«

»Sie haben also gar nichts davon gehört? Seine Frau ist ihm durchgebrannt. Mit diesem Herrn Röber, dem sogenannten Fabrikdirektor. An den müssen Sie sich ja noch erinnern. Eines schönen Morgens war sie fort, Mann und Kinder im Stiche lassend. Alle ihre Pretiosen hat sie mitgenommen und auch eine Summe Geldes, die allerdings insoferne ihr Eigentum war, als sie einige Mitgift ins Haus gebracht. Der [224] arme gute Ferdl – Sie wissen ja, daß er Ferdinand geheißen hat – war ganz außer sich, dem Irrenhause nahe.«

»Er hat sie wohl sehr geliebt?«

»Und wie! Von Jahr zu Jahr mehr. Schön war sie, das muß man sagen. Er hatte sie auf einem kostümierten Bauernballe kennen gelernt, der hier im Kasino stattfand und zu dem sie aus der Stadt gekommen war – als Tirolerin. Er vernarrte sich sofort in sie und hat sie geheiratet, obgleich ihm mancher, der wußte, daß ihr Ruf nicht der beste sei, dringend davon abriet. Sonst aber erschien die Partie ganz passend. Das Fräulein Schebesta war aus guter Familie, eines Baumeisters Tochter und, wie gesagt, auch nicht ganz ohne Vermögen, obgleich auf dem Hause, das ihr nach dem Tode der Mutter zugefallen, genug Schulden hafteten. Und während ihrer Ehe hielt sie sich auch die längste Zeit ganz brav, wenn sie auch eine flotte Frau war. Aber da mußte der Lump mit seiner stolzen Haltung und dem interessanten Backenbart kommen – und aus war's und geschehen. Indes, nachdem der erste Schmerz sich ein wenig gelegt hatte, suchte sich der verlassene Ehegatte so gut es ging zu fassen. Er hat seinen Kindern zuliebe alles aufgeboten, sein schweres Schicksal mit männlicher Kraft zu tragen – und es war ihm auch so ziemlich gelungen. Da, eines Tags – sechs Monate ist es jetzt her – steht er dort an jenem Billard und spielt wie gewöhnlich nach Tisch. Plötzlich fällt ihm die Queue aus der Hand, mit der andern fährt er nach der Stirn – und sinkt lautlos zu Boden. Der Schlag hatte ihn getroffen.«

»Und die Kinder?« fragte ich nach einer Pause.

»Mit denen ist es auch eigentümlich gegangen. Selbstverständlich hat sie der Bruder zu sich genommen, dessen Frau ihm keine Nachkommenschaft geschenkt hat. Da wären sie auch ganz gut aufgehoben gewesen. Aber bald darauf erkrankten sie, fast gleichzeitig, am Scharlach. Als sie beinahe schon genesen waren, trat Diphtheritis hinzu – und beide starben in einer Nacht.«

[225] »Das ist wirklich sehr traurig.«

»Na, vielleicht war's zu ihrem Besten. Man soll keinen beklagen, wenn er einmal da unten in der Erde liegt. Wer weiß, was die zwei Kleinen noch alles hätten erleben müssen; jedenfalls aber blieb's ihnen erspart, sich späterhin über ihre Mutter klar zu werden. Auch geht's ja – im Vertrauen gesagt – schon seit Jahren mit den Stadlerschen abwärts. Der Krach im Jahre 73 hat auch auf die Brüder gewirkt; es hieß, daß sie nur mit Mühe den Konkurs abwehrten. Daher sind auch, als der Jüngere starb, sofort die Ziegeleien samt den Holzlagern verkauft worden; und auch der Johann treibt die Zimmermeisterei nur mehr recht notdürftig fort. Denn mit der Ausschließlichkeit, die den Vater emporgebracht, ist's schon lange vorbei, und die Konkurrenz, die auf jedem Gebiete herrscht, hat den Sohn überflügelt. Sie werden das auch dem Hause anmerken, wenn Sie vorüberkommen. Früher blickte es einem so hell, so einladend entgegen; jetzt nimmt es sich neben den modernen Nachbarn ganz finster und trostlos aus. So ist der Lauf der Welt,« schloß er seufzend: »das Neue floriert, und das Alte geht zu Grunde.«

Er war aufgestanden, nahm Hut und Überrock vom Nagel und schickte sich zum Fortgehen an.

»Und hat man nichts mehr von der Frau gehört?« fragte ich.

»Nichts Gewisses. Anfangs hieß es, das Paar habe sich nach Pest gewendet. Dann wollte man erfahren haben, daß sie in Paris seien, während andere behaupteten, sie wären gar nicht über Wien hinausgekommen. Es ist auch jetzt ganz gleichgültig. Wer weiß, ob sie überhaupt noch beisammen sind. Derlei Dinge halten nicht.«

Er reichte mir die Hand und empfahl sich. Ich aber blieb sitzen und sah durch die neuen Spiegelscheiben auf die Straße hinaus, die in diesem Augenblick wenig belebt war. Ein scharfer Nordwind hatte sich erhoben und fegte welkes Laub von den [226] Bäumen des Kaffeehausgartens über das Pflaster. »Ja,« sagte ich still vor mich hin, »das ist der Lauf der Welt.«

Ein Trupp von Kindern, die nach beendeter Schulstunde, die Bücherränzel auf dem Rücken, lustig am Fenster vorbeitollten, weckte mich aus meinen Gedanken.

4.

IV.

Seitdem war fast ein Jahr verstrichen, als eines Vormittags an meine Tür geklopft wurde und ein jüngerer Schriftsteller eintrat, der sich bei seinen Berufsgenossen keiner besonderen Beliebtheit erfreute. Nicht ohne Begabung schon sehr früh in die Literatur getreten, hatte er sich auf allen möglichen Gebieten versucht und betätigte sich, da der Erfolg seinen Erwartungen nicht entsprach, zuletzt fast nur mehr als Kritiker. In dieser Eigenschaft hielt er – gewissermaßen schon ein Vorläufer der heutigen »neuesten Schule« – als leitenden Grundsatz die Behauptung aufrecht, daß alles bisher Geleistete veraltet sei und in unsere Zeit nicht mehr passe. Er selbst fühlte sich durchaus »modern«, sprach stets von einer Literatur der Zukunft und erwies sich infolgedessen gegen Anfänger sehr nachsichtsvoll und ermunternd, besonders wenn diese dem weiblichen Geschlecht angehörten. So stand er denn auch bei einigen Schriftstellerinnen und solchen, die es werden wollten, in großem Ansehen. Sie übersendeten ihm ihre Werke, zogen ihn zu Rate, wogegen er, wie behauptet wurde, stets die Gelegenheit wahrnahm, mit der einen oder der anderen dieser Damen, die er nach seinem Geschmacke fand, in intimere Beziehungen zu treten. Nebenher aber wollte es ihm nicht gelingen, sich eine feste und unbestrittene literarische Stellung zu schaffen, was ihn, eitel und selbstbewußt wie er war, immer mehr in einen schwarzgalligen Hochmut hineintrieb. Ich selbst hatte mich ihm bei irgend einer Gelegenheit gefällig erwiesen, und seitdem besuchte er mich öfter, als mir gerade erwünscht war. Denn trotz der Anerkennung, die er mir gegenüber gnädigst an den Tag legte, [227] konnte er doch nicht umhin, beständig durchfließen zu lassen, wie sehr er sich nur und meinen Leistungen überlegen fühle.

»Obgleich Sie sich gar nicht um mich kümmern, muß ich Sie doch wieder einmal in Ihrer Einsiedelei aufsuchen«, sagte er jetzt, indem er mir die Hand reichte und sich seines abgegriffenen Hutes entledigte. Dann schüttelte er das lange, straffe Haar und blickte im Zimmer umher. »Mein Gott! wie kann man sich nur so vergraben! Eine schöne Aussicht haben Sie allerdings«, setzte er, ans Fenster tretend, hinzu. »Aber was nützt das alles? Dabei bleibt man doch nur ein Romantiker, ein elegischer Lorenz Kindlein. Heutzutage muß der Dichter mitten im Kampfe des Lebens stehen, muß ein scharfes Auge, ein stets bereites Ohr haben für die Zeichen und Forderungen der Zeit – sonst wird er mit Recht beiseite liegen gelassen.«

Da ich auf diese oft vernommenen Bemerkungen mit einem Schweigen antwortete, das er auslegen konnte, wie er mochte, fuhr er, nach mir zurückgewendet, in seinem Sermon fort: »Aber so seid Ihr nun einmal, Ihr Herren von der alten Schule! Ihr könnt Euere überlieferten Ideale nicht los werden. Da treffen es die Frauen wahrlich besser. Die haben den Mut, mit der Vergangenheit zu brechen, und besitzen den richtigen Instinkt für die Bedürfnisse der Gegenwart. Sehen Sie nur, was ich da wieder in die Hand bekommen!«

Er zog bei diesen Worten ein ziemlich umfangreiches Heft, das in der Mitte zusammengelegt war, aus der Tasche seines Überziehers und reichte es mir hin. Ich bog es auseinander und las den Titel: »Der Roman einer Frau, von Elsa Röber«.

Ich blickte sinnend auf.

Er bemerkte es nicht und warf sich in seinem Eifer auf den nächsten Stuhl. »Grandios, sage ich Ihnen! Der Griff einer Löwin! Da wird mit dem hergebrachten flauen Gefasel über die Heiligkeit der Ehe gründlich aufgeräumt und das Evangelium der freien Liebe höchst eindringlich gepredigt. Die betreffenden Stellen und Schilderungen sind um so schlagender, [228] als sie von der Feder einer Frau herrühren. Ganz so, wie sie hier vorliegt,« fuhr er nach einer Pause fort, »ist die Geschichte freilich nicht zu brauchen. Die Form ist sehr mangelhaft; auch steht die Verfasserin mit der Grammatik und hin und wieder mit der Orthographie noch auf ziemlich gespanntem Fuße. Aber mit der gehörigen Nachhilfe kann der Roman, wenn er erscheint, Furore machen.«

»Und ist Ihnen die Verfasserin persönlich bekannt?« fragte ich aus meinen Gedanken heraus.

»Selbstverständlich. Nachdem ich das Manuskript, das sie mir durch zweite Hand übersenden ließ, geprüft hatte, habe ich mich auch sofort bei ihr eingeführt. Eine wunderschöne Frau! Im interessantesten Alter – so im Anfang der Dreißiger. Vielleicht ist sie Ihnen sogar nicht fremd; denn wenn ich nicht irre, hat sie während der Ehe, die sie da schildert, hier in Döbling gewohnt.«

»Und jetzt?« fragte ich weiter, während immer bestimmtere Vermutungen in mir auftauchten.

»Jetzt? Jetzt lebt sie in der Stadt.«

»Allein?«

»Keineswegs. Mit ihrem Geliebten, den sie zwar ihren Mann nennt; aber ich glaube nicht, daß sie verheiratet sind. Er ist Agent – oder ähnliches; es scheint ihnen nicht am besten zu gehen.« Er sah nach der Uhr. »Teufel, schon Zwölf! Da muß ich Sie verlassen. Ich soll zu Tisch nach Weinhaus hinüber, wo Verwandte von mir den Sommer zubringen. Habe die Gelegenheit benützt, zu Ihnen einen Abstecher zu machen. Wissen Sie was? Ich lasse das Manuskript hier. Sie erweisen mir einen Gefallen, wenn Sie es durchsehen. Ich bin zwar meiner Sache sicher; allein es wäre mir doch von großem Werte, auch Ihr Urteil zu vernehmen. Wenn es Ihnen recht ist, hol' ich es gegen Abend bei Ihnen ab.«

Da meine Vermutungen inzwischen fast zur Gewißheit geworden waren, so interessierte mich jetzt das Ganze sehr lebhaft, [229] und ich sagte ihm, daß er mich nach fünf Uhr ganz bestimmt zu Hause antreffen werde.

Kaum war er aus dem Zimmer getreten, als ich mich auch schon setzte und das Heft zur Hand nahm. Elsa Röber! Es konnte kein Zweifel sein! Röber hieß ja der Mann, um dessen willen Frau Stadler Heim und Familie verlassen hatte. Alles traf zu: sie war die Verfasserin!

Ich begann zu lesen. Es wurde mir nicht ganz leicht; denn die Schrift war ungleich und verworren, an manchen Stellen so flüchtig, daß ich einzelne Wörter kaum entziffern konnte. Dennoch, je mehr Blätter ich umwendete, je mehr mußte ich mich in gewissem Sinne mit der Ansicht des begeisterten Entdeckers einverstanden erklären. Nicht, daß mir die Arbeit so bedeutend wie ihm erschienen wäre. Sie erwies sich vielmehr als ganz schülerhafte Nachahmung einer Erzählung, die unter dem Titel »Die Geschiedene« vor einigen Jahren erschienen war und von einem hochbegabten Autor herrührte, welcher als eigentlicher Eröffner dieser Richtung eine stark naturalistische Erotik in die neuere deutsche Literatur eingeführt hatte. Und die kurzen Gedichte, welche sich hin und wieder eingestreut fanden, riefen sofort die genialen Lieder der Ada Christen ins Gedächtnis. Trotzdem: neben vielem Platten und Gewöhnlichen – ergreifende Schilderungen; neben manchem Falschen und Verlogenen, neben Rohem und Verletzendem – Laute einer tiefen, eigentümlichen Empfindung, erschütternde Schreie des Schmerzes und der Lust, welche namentlich in unbefriedigten weiblichen Herzen mächtigen Widerhall hervorrufen mußten. –

Ich ließ das Heft sinken. Seltsam! So war denn diese einst so behäbige, jeder höheren geistigen Anregung fernstehende Frau, die, als echtes, genußfrohes Wienerkind herangewachsen, vor Jahren verächtlich das Näschen gerümpft hatte, als sie erfuhr, daß ich ein Dichter sei: zuletzt auch von dem schriftstellerischen Drange der Zeit erfaßt worden, und die Macht ihrer Schicksale hatte ihr die Feder in die Hand gedrückt!


* * *


[230] Gegen sechs trat der neue Frauenlob (diesen Namen hatte ich dem Erwarteten schon seit längerem so für mich im stillen beigelegt) wieder bei mir ein.

Sein erstes Wort war: »Haben Sie gelesen?«

»Gewiß«, bestätigte ich.

»Nun und was sagen Sie?« drängte er.

»Ich bin Ihrer Meinung«, erwiderte ich ohne jede Einschränkung, da ich doch wußte, daß er keine einzige würde gelten lassen.

»Bravo!« rief er, indem er stolz das Haupt erhob. Dann fügte er herablassend hinzu: »Welch ein Triumph für die Dichterin, daß auch Sie – –«

Ich überlegte einen Augenblick. Es konnte, wie gesagt, kein Zweifel mehr obwalten, aber ich wünschte die vollständigste Überzeugung. Aus dem Roman selbst konnte diese nicht unmittelbar gewonnen werden. Wie bei den meisten Anfängerarbeiten waren die Lokalfarben absichtlich verwischt, die Charaktere ziemlich allgemein gehalten, die Begebenheiten weit hergeholt. Ich sagte also: »Ich will Ihnen nur gestehen, daß ich die Verfasserin in der Tat zu kennen glaube. Das heißt, ganz oberflächlich – gewissermaßen bloß vom Sehen. Dennoch kann ich mich täuschen. Teilen Sie mir also Genaueres über sie mit – beschreiben Sie mir ihr Äußeres –«

»Wozu auch? Sehen Sie sich die Dame an, und es wird sich zeigen, ob Sie auf der richtigen Fährte waren.«

»Wie sollte das geschehen?«

»Ganz einfach. Man erwartet mich heute abend dort zum Tee – und ich nehme Sie mit. Das günstige Urteil, das Sie gefällt, wird die schöne Frau doppelt freuen, wenn sie es aus Ihrem eigenen Munde vernimmt.«

Ich gestehe, dieser Vorschlag hatte etwas Verlockendes. Es reizte mich, die Frau, deren Lebensgang ich so lange beobachtet hatte, in nunmehr ganz veränderten Verhältnissen wiederzusehen. Dennoch fühlte ich das Unstatthafte eines solchen Vorgehens, [231] um so mehr, als ja meine Anerkennung keineswegs eine so rückhaltlose war, wie der selbstbewußte Protektor voraussetzte. Ich erwiderte daher: »Es wird doch wohl nicht angehen – so ganz ohne weiteres –«

»Welche Bedenklichkeiten, Verehrter! Sie können doch annehmen, daß Sie unter allen Umständen willkommen sein werden. Und dann offen gestanden, es kommt mir sehr erwünscht, wenn ich Sie dort einführen darf. Und zwar dieses Röber wegen, der trotz seiner fatalen Lebensstellung ein äußerst hochmütiger Geselle ist. Er schätzt die Begabung seiner Geliebten – oder seiner Frau nicht im geringsten; vielmehr bespöttelt er ihr Streben und betrachtet mich mit offen zur Schau getragenem Mißtrauen. Er glaubt jedenfalls, daß ich mit – Gott weiß welchen eigennützigen Absichten ins Zeug gehe. Wenn er aber sieht, daß ein Mann wie Sie – –«

»Ich wüßte nicht, warum gerade ich diesem Herrn Röber imponieren sollte«, erwiderte ich, die jetzt so plötzliche Hochschätzung abweisend. »Und dann noch eins. Es wäre doch eigentlich sehr unzart, wenn ich jener Frau so ganz ohne jegliche Vorbereitung entgegentreten würde. Denn so gut ich sie im Gedächtnis zu haben glaube, wird auch sie sich meiner Person erinnern und könnte dadurch höchst unliebsam an die Vergangenheit gemahnt werden.«

Er lachte laut auf. »Da irren Sie gewaltig, lieber Freund! Frau Elsa hat mit allem, was hinter ihr liegt, gründlich abgerechnet. Das sollte Ihnen doch schon der Roman beweisen; sie hat jetzt nur eines im Auge: daß dieser zur Geltung gelangt. Also machen Sie sich keine Skrupel und kommen Sie mit!«

Eine Zeitlang schwankte ich noch; dann aber gab die Neugierde den Ausschlag. Ich machte mich fertig und fuhr mit Frauenlob nach der Stadt.

5.

[232] V.

Der Stadtteil, in welchem Elsa Röber wohnte, war jenes alte, mehr oder minder licht- und luftlose Gassengewirre, das sich in der nächsten Nähe des Stephansdomes noch heute von allen Neuerungen fast unberührt erhalten hat. Die Mietzinse sind dort in den meisten Häusern billiger als anderswo, und so besteht auch ein großer Teil der Bewohner aus Leuten, die in beschränkten, öfter auch zweifelhaften Verhältnissen leben. In einer der engsten Gassen vor einem hohen, grau übertünchten Hause mit vorspringendem ersten Stockwerk angelangt, traten wir – es war im September – in eine dunkle, zugluftige Einfahrt. Dort lenkte mich mein Führer gleich links über ein paar Stufen nach einem schmalen, unbeleuchteten Seitengang, wo wir uns einer einzelnen Tür gegenüber befanden. Er zog die Klingel und, da drinnen alles still blieb, nach einer Weile ein zweites Mal. Endlich vernahm man ein Geräusch von leichten Schritten, die sich zögernd der Tür näherten; ein kleines Guckloch wurde geöffnet, und eine weibliche Stimme fragte in die Dunkelheit hinaus: »Wer ist da?«

»Ich bin es, Frau Elsa!« rief Frauenlob eindringlich. »Machen Sie nur auf!«

Drinnen klang, während sich das Guckloch schloß, ein leichtes »Ah!« Dann sehr vernehmlich: »Bitte nur noch einen Augenblick! Ich habe das Mädchen weggeschickt; ich muß erst den zweiten Schlüssel holen.«

Bald darauf drehte sich dieser im Schlosse, und eine nicht ganz deutlich werdende Gestalt ließ uns, indem sie die Tür öffnete, in das trübe Zwielicht einer nicht sehr geräumigen Küche treten.

»Ach, verzeihen Sie,« sagte sie, indem sie den Schlüssel wieder umdrehte und abzog, »daß Sie sich so lange gedulden mußten. Ich hatte Sie so früh nicht erwartet. Aber – –«

Wie man bemerken konnte, verweilte jetzt ihr Blick befremdet und forschend auf mir.

[233] »Ja, gnädige Frau, ich habe einen Besuch mitgebracht«, rief mein Begleiter feierlich. Dann vorstellend: »Mein hochverehrter Kollege, der berühmte –« er nannte meinen Namen. »Er hat Ihren Roman gelesen und will Sie nun auch persönlich kennen.«

»O, ich bitte –« erwiderte sie verwirrt. »Aber treten Sie doch ins Zimmer. Ich habe noch gar nicht Licht gemacht – ich werde gleich –« Und indem sie sich jetzt mit einer Petroleumlampe zu schaffen machte, die in der Nähe des Herdes stand, traten wir in ein ziemlich weitläufiges, niedrig gewölbtes Gemach, wie solche in den Erdgeschossen alter Stadthäuser häufig anzutreffen sind. Da die Fenstervorhänge geschlossen waren, herrschte in dem Raume solche Dunkelheit, daß man die Einrichtungsstücke, außer einem runden Tische, der in der Mitte des Zimmers stand und auf welchem bereits Vorbereitungen zum Abendtee getroffen waren, kaum unterscheiden konnte.

Wir hielten uns, um nirgends anzustoßen, in der Nähe der Tür, und nun trat auch Frau Elsa herein, das Gesicht von der hellschimmernden Lampe beleuchtet, die sie vor sich her trug.

Wenn Frauenlob gesagt hatte, daß sie »wunderschön« sei, so konnte man diesem Ausspruche jetzt ebenso wenig unbedingt beipflichten, wie der überschwenglichen Anerkennung des Romans. Daß sie sehr schön gewesen, das zeigte sich allerdings noch, und daß sie auch noch immer Anreiz auszuüben vermochte, mußte zugegeben werden. Allein welche Veränderungen waren da während der letzten drei Jahre vor sich gegangen! Sie war überraschend schlank, ja mager geworden, und zwar wies sie jene Magerkeit vorzeitig raschen Verfalles, welche Züge und Formen schlaff und verkümmert erscheinen läßt. Ihr vormals so ungemein üppiges Haar war auffallend gelichtet, und die hellen Goldaugen hatten sich zu einem scharfen Braun abgedunkelt. Trotzdem waren es noch immer anziehende Augen, die jetzt bei mangelnder Gesichtsfülle um so größer erschienen, [234] als sie von sichtlich geschwärzten Wimpern hervorgehoben wurden. Aber sie waren auch von breiten, mißfarbigen Ringen umzogen, die als Zeichen körperlicher – vielleicht auch seelischer Erschöpfung gelten konnten. Sie trug ein einfaches, nicht ganz passendes Kleid aus Wollenstoff, und außer einer billigen, unechten Brosche in der Gegend des Halses keinerlei Schmuck. Ihre Hände waren gerötet und ließen trotz der peinlichen Sorgfalt, mit der sie offenbar gepflegt wurden, Spuren harter häuslicher Arbeit erkennen.

Sie hatte die Lampe auf den Tisch gestellt und betrachtete mich aufmerksam. »Darf ich noch einmal um den Namen dieses Herrn bitten; ich hab' ihn vorhin nicht ganz –«

Frauenlob wiederholte ihn mit Emphase.

»Ach ja,« sagte sie, indem sie sich auf ein kleines Sofa niederließ und uns gleichfalls zum Sitzen einlud – »ach ja, diesen Namen hab' ich wohl schon gehört. Aber es ist mir, als sollt' ich Sie auch persönlich kennen –«

Nun war der peinliche Augenblick gekommen, den ich vorausgesehen und trotz der Versicherungen Frauenlobs gefürchtet hatte. Ich erwiderte daher etwas kleinlaut: »Allerdings haben wir einander schon öfter gesehen – und zwar in Döbling, wo ich seit einer Reihe von Jahren wohne.«

»Ja, ja, gewiß – in Döbling«, entgegnete sie hastig, während ihre etwas gelbliche Gesichtsfarbe langsam in eine dunkle Röte überging. »Ich entsinne mich sehr genau. Und da kennen Sie ja gewiß auch meine ganze Geschichte und werden sich nicht wundern, mich in ganz anderen Verhältnissen –«

Ich hatte mich inzwischen gefaßt und trachtete so rasch wie möglich über dieses Thema hinwegzukommen, das sie allem Anscheine nach doch nicht so vollständig gleichgültig ließ, wie Frauenlob behauptet hatte.

»Ich wundere mich über gar nichts, gnädige Frau,« sagte ich in bestimmtem und dabei sehr ehrerbietigem Tone; »höchstens über das eine, daß Sie unter die Schriftstellerinnen gegangen sind.«

[235] »Mein Gott,« sagte sie aufatmend mit einem Lächeln; »weiß ich doch selbst kaum, wie ich dazu gekommen bin. Ich hatte ja früher an so etwas gar nicht gedacht und auch sehr wenig gelesen. Im vorigen Jahre sind mir aber ganz zufällig ein paar Bücher in die Hand gekommen, die auf mich großen Eindruck gemacht haben. Aber auch da fiel es mir nicht ein, selbst zu schreiben; erst als mein – Mann für einige Zeit verreisen mußte und ich ganz allein blieb, erst da überkam es mich. Und zwar ganz plötzlich; – ohne vieles Nachdenken habe ich die Geschichte hingeschrieben.«

Das entsprach ganz meinen Voraussetzungen, und ich freute mich über das unbefangene Eingeständnis. Unwillkürlich fühlte ich mich versucht, auf unsere allererste Begegnung anzuspielen und so zu erfahren, ob sie sich meiner auch aus jener fernen Zeit noch erinnere. Wäre ich mit ihr allein gewesen, würde ich es jedenfalls getan haben, so aber hielt mich die Gegenwart meines Begleiters zurück, und ich schwieg.

»Ich legte auch anfangs gar kein Gewicht darauf,« fuhr sie nach einer Pause fort; »es war mir eine bloße Zerstreuung – eine Herzenserleichterung gewesen. Später aber zeigte ich die Blätter einer Bekannten, und diese meinte, ich sollte sie zu verwerten trachten; es gäbe jetzt so viele Frauen, die mit derlei Geld erwerben. Sie bot mir ihre Vermittelung an – und Ihr – Freund hier –« sie wies auf Frauenlob – »war so liebenswürdig, ein günstiges Urteil zu fällen.«

Dieser warf sich auf seinem Stuhle in die Brust. »Nur nach Verdienst, Frau Elsa«, sagte er.

»Also auch Sie meinen,« sprach sie langsam, indem sie schüchtern ihren Blick auf mich richtete, »auch Sie meinen, daß die Sache –«

»Sie haben es doch gehört!« unterbrach sie der andere, ungeduldig die langen Haare schüttelnd.

Ich befand mich nun wieder in einiger Verlegenheit.

»Ihre Leistung ist jedenfalls eine sehr interessante,« hob [236] ich gewissermaßen zögernd an, »und mit einigen Änderungen, die daran vorgenommen werden müssen –«

»Das werde ich alles besorgen!« rief Frauenlob. »Auch die Herausgabe! Der Erfolg kann nicht ausbleiben, Frau Elsa, und wenn Sie sich fernerhin meiner Leitung anvertrauen, so ist Ihnen eine bedeutende Zukunft gewiß.«

Sie blickte zweifelnd vor sich hin. »Glauben Sie wirklich?« fragte sie dann nachdenklich, mehr gegen mich gewendet. »Ich hätte da so vieles zu lernen. Und woher sollte ich die Zeit nehmen? Wir leben, wie Sie sehen, in beschränkten Verhältnissen – und mein Mann ist sehr verwöhnt; ich habe alle Hände voll zu tun, um unsere Häuslichkeit seinen Bedürfnissen gemäß einzurichten. Er würde es nicht besonders gerne sehen, wenn ich mich anderweitig beschäftigte« –

»Danach haben Sie nicht zu fragen!« sagte Frauenlob in scharfem, erzieherischem Tone. »Die Hörigkeit der Frau ist Gott sei Dank vorüber – und Sie müssen sich neben Ihrem – Gemahl eine selbständige Stellung schaffen.«

»Mein Gott, daran denk' ich ja gar nicht«, erwiderte sie zerstreut; es war, als horche sie dabei aus dem Zimmer hinaus. »Und dann – er hat nun einmal eine Abneigung gegen schreibende Frauen.«

»Das müssen Sie ihm eben abgewöhnen – müssen ihn eines Besseren belehren!«

Sie erwiderte nichts und hatte offenbar die letzten Worte nur mehr mit halbem Ohr vernommen. Dann rief sie plötzlich: »Da kommt er!«

Draußen war heftig an der Klingel gerissen worden, und durch die Küche, wo sich schon früher die Anwesenheit einer Magd bemerkbar gemacht hatte, trat jetzt Röber ein. Er mußte seine hohe Gestalt unter der Tür um so mehr bücken, als er den Hut auf dem Kopfe behielt. Erst in der Mitte des Zimmers nahm er ihn zögernd ab, wobei sein Blick überrascht und befremdet auf mich gerichtet blieb.

[237] Wir hatten uns erhoben.

»Der Herr Doktor hat uns einen angenehmen Besuch mitgebracht, Leo,« sagte Elsa, und der Ton ihrer Stimme hatte dabei etwas flehend Unsicheres, »einen berühmten Schriftsteller. Vielleicht kennst du den Herrn vom Sehen.«

Er blickte mich unverwandt an und sagte, ohne eine Miene zu verziehen, mit einer leichten Verbeugung: »Habe nicht die Ehre«. Hierauf machte er eine halbe Wendung und fuhr, nach uns zurück sprechend, fort: »Die Herren werden schon entschuldigen. Ich bin seit heute morgen auf den Beinen und muß mir's bequem machen.« Er war bei diesen Worten auf eine Seitentür zugeschritten, öffnete sie und verschwand in einem kleinen Zimmer, das offenbar als Schlafgemach benützt wurde.

»Er ist wirklich sehr in Anspruch genommen«, bestätigte Elsa, die ihm, wie ihn bedauernd, nachgeblickt hatte. Dann begab sie sich mit einer kurzen Entschuldigung in die Küche, um, wie sie sagte, nach dem Tee zu sehen.

Ich spürte nun großes Verlangen, fortzugehen und sah meinen Begleiter fragend an. Dieser aber schien durchaus nicht gewillt, das Feld zu räumen; er lehnte sich vielmehr mit einer Art verbissenen Trotzes in den Stuhl zurück und streckte die Beine von sich.

Jetzt trat auch schon die Hausfrau wieder ein, in jeder Hand eine kalte Schüssel tragend. Die Magd folgte mit allerlei Zubehör. Dann wurde der kochende Teekessel gebracht; später folgte ein großer, mit Bier gefüllter Glaskrug.

Inzwischen war Röber gleichfalls zum Vorschein gekommen. Er hatte sich in einen langen, abgetragenen Schlafrock gehüllt, der Spuren früherer Eleganz aufwies; an den Füßen trug er bequeme Hausschuhe.

»Die Herren werden es nicht übel nehmen,« begann er in herablassendem Tone, als verzeihe er uns, daß wir möglicherweise an seiner Bekleidung Anstoß nehmen könnten, »die [238] Herren werden es nicht übel nehmen, daß ich so vor ihnen erscheine. Allein wie gesagt, ich fühle mich überangestrengt – und zudem leide ich schon einige Zeit an den Füßen.«

»Ach ja!« fiel Elsa ein. »Und es will auch gar nicht besser werden. Hast du heute vielleicht wieder stärkere Schmerzen?« forschte sie ängstlich.

»Nun, nicht gerade das. – Aber,« fuhr er mit einer Wendung nach dem Tische fort, »ich sehe, es ist alles bereit. Die Herren sind unsere Gäste?«

»Gewiß werden sie uns das Vergnügen machen«, sagte Elsa einladend.

Was konnte ich tun? Um irgend eine stichhaltige Ausrede zu ersinnen, war es zu spät und somit der günstige Augenblick, mich zu entfernen, versäumt; ich mußte mich also mit an den Tisch setzen.

Elsa machte mit zuvorkommender Aufmerksamkeit die Wirtin, während Röber, einem sichtlichen Bedürfnisse folgend, sehr ungezwungen den Schüsseln zu Leibe ging. Erst jetzt konnte ich ihn mit voller Aufmerksamkeit betrachten. Auch in seinem Äußeren zeigte sich eine große Veränderung. War Elsa in den letzten Jahren körperlich verfallen, so hatte er hingegen verhältnismäßig zugenommen. Aber es war nicht die blühende Überfülle der Gesundheit und Kraft, sondern jene blasse und weichliche Aufgedunsenheit, welche so vielen Menschen anhaftet, die ein unregelmäßiges und dabei sorgenvolles Leben führen. Dies konnte man besonders in seinem Gesichte wahrnehmen, dessen Züge derart verquollen waren, daß die früher so ungemein schönen dunkelgrauen Augen kaum mehr zur Geltung gelangten. Er rasierte das Kinn nicht, sondern trug einen sehr kurz gehaltenen Vollbart, der ihm übel ließ und in welchem sich schon zahlreiche Silberfäden bemerkbar machten; auch zeigte sich über der Stirn stark zunehmende Kahlheit. Der ganze Mann sah in der Tat sehr verkommen aus.

Eben jetzt langte er eine Kartoffel auf seinen Teller und [239] während er die noch leicht dampfende in vier Teile zerlegte und verkühlen ließ, eröffnete er, sichtlich in behaglicherer Stimmung, das Gespräch.

»Sie wollen also,« begann er, sich gleichsam an uns beide wendend, mit ironischer Verziehung der Mundwinkel, »Sie wollen also meine El–sa–« er sprach den Namen mit satirisch übertriebener Betonung aus »à tout prix zur Dichterin machen?«

»Machen?« rief Frauenlob mit scharfer Stimme. Er schien nur auf einen Angriff gewartet zu haben, und seine kleinen, grünlichen Augen blitzten kampflustig. »Machen? Wie sollte man das anstellen, wenn es nicht schon wäre?«

»Ich weiß,« erwiderte der andere vornehm, indem er ein Kartoffelstück aufnahm: »poeta nascitur. Aber man kann auch jemanden in etwas heineinreden.«

»Was hätte man davon?« entgegnete Frauenlob, geringschätzig das Haupt zurückwerfend.

»Ganz richtig, was hätte man davon? Wenn auch Elsa Begabung besitzt – woran ich übrigens gar nicht zweifeln will – so bleibt doch das Ganze eine höchst unnütze Sache.«

»Aber man kann doch damit verdienen, Leo«, warf Elsa schüchtern ein.

Röber lachte laut auf. »Verdienen? Mit der Schriftstellerei? Ha! Ha!«

»Erlauben Sie,« schrie Frauenlob heftig, während ich dem Mann im stillen nicht unrecht gab, »das ist eine Behauptung, die nur beweist, wie sehr Sie in Ihren Anschauungen zurück sind. Es ist ja wahr, früher einmal mußten selbst die größten Geister darben; heutzutage jedoch kann man mit der Feder sehr viel erwerben.«

»Als Journalist vielleicht. Übrigens ist das viel oder wenig Ansichtssache. Wenn ich Summen in Betracht ziehen soll, so müssen es Hunderttausende sein.«

»Sie geben es nicht billig!« lachte Frauenlob mit giftigem Hohne. Er hatte im Eifer eben das dritte Glas Bier hinuntergestürzt, [240] und sein knochiges, breites Gesicht, das stets ungesund gerötet war, begann bläulich zu leuchten.

»Das ist meine Sache«, erwiderte Röber mit ruhigem Stolz, und zum ersten Male glänzten seine Augen wieder hell und groß auf. »Die Herren Poeten pflegen beständig von ihren Idealen zu sprechen; auch andere Leute haben welche. Das meine ist ein sehr großes Vermögen, ein Ideal, das so ziemlich jedes andere in sich schließt.«

»Aber auch um so mehr Ideal bleibt!« rief der Gegner bissig.

»Je nach Umständen. Das kann Ihnen schon die große Anzahl bedeutender Kapitalisten zeigen, die es in der Welt gibt. – A propos, Lisi,« fuhr er mit einem Blick auf die Hausfrau fort, »ich habe heute gute Nachrichten mitgebracht. Die Sache in Bulgarien scheint endlich in Fluß kommen zu wollen.«

»Wirklich! Wirklich!« rief sie, überrascht und vor Freude errötend, aus der peinlichen Verlegenheit heraus, die sie bei diesem Wortwechsel begreiflicherweise überkommen hatte. »Wirklich?« wiederholte sie jetzt, wie von einem unwillkürlichen Zweifel ergriffen, etwas kleinlaut und gedehnt.

»Er hatte sich inzwischen den Mund gewischt und, ohne uns zum Rauchen aufzufordern, eine Zigarette angezündet.«

»Ja, wirklich, mein Kind. Gut Ding braucht eben Weile, und ich begreife, daß es dir schon etwas zu lange dauert. Aber es sei dir vergeben. Und wenn alles so kommt, wie ich hoffe, dann kannst du zu deinem Vergnügen blaustrümpeln.«

»Es dürfte wohl beim Strümpfestopfen sein Bewenden haben«, sagte Frauenlob mit unerbittlicher Grobheit.

»Immer eine nützlichere Beschäftigung als Romane schreiben. Übrigens verspüre ich keine Lust, mich in eine weitere Behandlung dieses Gegenstandes einzulassen. Die Herren sind ja auch nicht zu mir, sondern zur – Dichterin gekommen. Ich darf die literarischen Konferenzen nicht länger stören.« Er erhob sich mit gemachtem Gähnen, trat schwerfällig auf Elsa zu und küßte sie flüchtig auf die Stirn. »Gute Nacht, mein Kind.«

[241] »Du willst dich wirklich schon zurückziehen?« fragte sie. Man sah ihr die innere Ratlosigkeit an, in der sie sich befand.

»Gewiß, ich bin müde und schläfrig. Recht gute Nacht, meine Herren!« Er verbeugte sich dabei nur vor mir und schritt nach dem Nebenzimmer; Elsa folgte ihm bis zur Tür.

Ich hatte genug, stand auf und suchte nach meinem Hute; Frauenlob, an seinem Ingrimm würgend, blieb sitzen.

»Sie wollen schon fort?« fragte Elsa, zurückkehrend und in einem Tone, der bewies, welche Erleichterung ihr dies wäre.

»Allerdings«, entgegnete ich, nach der Uhr sehend. »Die Stunde ist vorgerückt, und Sie wissen, ich habe einen weiten Weg. Sie bleiben noch?« wandte ich mich bedeutsam an meinen Begleiter.

Dieser sah unschlüssig vor sich hin, dann sprang er auf.

»Ich wollte allerdings noch einiges Wichtige mit Frau Elsa verhandeln, allein in solcher Stimmung – – In der Tat, gnädige Frau,« – er trat vor sie hin – »es bedarf des ganzen Umfanges meiner Verehrung und Bewunderung für Sie – –«

»Ach mein Gott, lieber Doktor,« unterbrach sie ihn, »Sie sollten Röber doch schon ein wenig kennen. Er ist nun einmal so – er hat den Kopf voller Sorgen, die ihn übellaunig machen – und da – – Allerdings hat er sich heute unverantwortlich benommen. Und ich muß doppelt bedauern – Ihretwegen –« Sie sah mich dabei ausdrucksvoll und gleichsam um Nachsicht flehend an. »Was werden Sie von uns denken?«

»Besorgen Sie nichts, gnädige Frau«, erwiderte ich. »Ich bin nicht so leicht verletzt. Vielmehr habe ich Sie recht sehr um Verzeihung zu bitten. Denn gewiß war es mein so ganz unvorbereiteter Besuch, zu dem ich mich nie und nimmer hätte entschließen sollen, was zur unliebsamen Verstimmung dieses Abends wenigstens beigetragen hat.«

»O, glauben Sie das nicht«, sagte sie hastig. Dann, sich Frauenlobs besinnend, fuhr sie einlenkend fort: »Wie immer auch, überzeugt können Sie sein, daß esmir sehr angenehm [242] war, Sie kennen gelernt – oder besser gesagt, wiedergesehen zu haben. Und ich würde Sie jedenfalls bitten, Ihren lieben Besuch zu erneuern, wenn ich das unter solchen Umständen noch wagen dürfte.«

»Je nun, man wird ja im Leben immer wieder zusammengeführt. Für heute nehmen Sie die Versicherung, daß ich, was mich selbst betrifft, den verunglückten Abend keineswegs bedauere.«

Ich drückte die Hand, die sie mir reichte. Dann geleitete sie uns in die Küche, wo sie die Magd weckte, die auf einem Stuhle eingeschlafen war und sich jetzt anschickte, uns durch den dunklen Flur nach dem bereits gesperrten Haustor zu leuchten.

»Ich komme morgen Nachmittag,« sagte Frauenlob im Fortgehen; »hoffentlich finde ich Sie allein.«

Sie erwiderte nichts und rief uns nur mit gedämpfter Stimme »Gute Nacht« nach.

Kaum auf die Gasse getreten, rief mein Begleiter, in welchem es noch immer zu kochen schien: »Der Unverschämte! Und Sie, mein Bester, haben mich mit keinem Worte unterstützt!«

»Was hätte ich sagen sollen? Ich begreife auch gar nicht, wie Sie sich so ereifern konnten. Dem Manne sind eben die neuen Beziehungen seiner Frau – oder Geliebten unangenehm. Er hat sich im ganzen doch nur wie ein Eifersüchtiger benommen.«

»Eifersüchtig? Er liebt sie gar nicht. Seine Eitelkeit ist verletzt, weil er sich mit einem Mal von einer Frau geistig überragt sieht, die er bis jetzt nur als eine willfährige Magd betrachtet hatte.«

»Möglich. Übrigens scheint er mir geistig durchaus nicht so tief stehend.«

»Ach was! Ein Hohlkopf ist er, der obendrein an Größenwahn leidet. Haben Sie gehört, wie er mit den Hunderttausenden herumwarf?«

»Je nun, er scheint sich mit weitgehenden geschäftlichen Spekulationen zu befassen. Und da wäre es ja in unserer [243] Zeit des raschen Gelderwerbes immerhin denkbar, daß ihm irgend eine Kombination glückt.«

»Sagen Sie lieber irgend ein Schwindel. Der Mensch besitzt alle Anlagen, um früher oder später mit dem Strafgerichte Bekanntschaft zu machen.«

»Auch das ist nicht ausgeschlossen. Es walten hier überhaupt Verhältnisse ob, in welche man sich am besten gar nicht einmischt. Auch Sie, denk' ich, sollten sich zurückziehen.«

»Zurückziehen? Ich? Nachdem ich schon so weit vorgedrungen? Nein, da kennen Sie mich schlecht, Verehrter! Dieser Frau müssen die Augen geöffnet, sie selbst auf die Bahn gebracht werden, die sie zu schreiten berufen ist. Ich interessiere mich sehr für sie – und zwar, wie ich Ihnen ganz offen bekennen will, nicht bloß für die Schriftstellerin.«

»Wenn das der Fall ist, dann stehen Ihre Aussichten nicht sehr günstig. Denn wenn Sie vielleicht auch recht haben, daß er sie nicht liebt: sie liebt ihn gewiß leidenschaftlich.«

»Nun ja! Das mag sein!« rief er, ärgerlich über die Wahrheit, die mein Ausspruch enthielt. »Aber das kann sich auch ändern. Die Hauptsache ist, daß sie erkennt, an welchen Mann sie sich da gekettet hat. Daher muß man ihr eine literarische Stellung schaffen; ist ihr Ehrgeiz einmal geweckt, dann ergibt sich alles weitere von selbst.«

»Je nun, Sie sind Herr Ihrer Beschlüsse.«

Wir waren inzwischen auf der Freiung angelangt, wo die erleuchtete Uhr der Schottenkirche eine halbe Stunde vor Mitternacht wies.

»Werden Sie noch auf einen Tramwaywagen stoßen?« fragte er kühl und offenbar verletzt durch meine zweifelhafte Zustimmung.

»Ich denke wohl, daß es noch nicht zu spät wäre. Aber ich ziehe es jedenfalls vor, zu Fuß zu gehen. Die Nacht ist hell und angenehm.«

»Nun, dann leben Sie wohl! Ich kehre um.«

[244] Wir verabschiedeten uns ziemlich gemessen voneinander; dann trat ich beim Schein des Halbmondes, an welchem, querüber, ein regungsloser dunkler Wolkenstreif stand, den Heimweg an.

6.

VI.

Der »Roman einer Frau« war in der Tat erschienen. Frauenlob hatte dafür einen jungen, aufstrebenden Buchhändler gewonnen, der in pikanten Verlagsartikeln sein Heil zu finden hoffte und auch ein verhältnismäßig nicht unbedeutendes Honorar zahlte. Der Erfolg entsprach allerdings nicht ganz den ausschweifenden Erwartungen der beiden Herren; aber es war immerhin ein Erfolg, der fast ganz mit meinen Voraussetzungen zusammentraf. Von der maßgebenden Kritik anfänglich gar nicht beachtet, fand das Buch doch den Weg in das lesende Publikum und wurde vornehmlich von Frauen, die in offenkundiger oder verheimlichter Mißehe lebten, mit einer Art persönlicher Anteilnahme gepriesen. Infolgedessen drang es denn allmählich auch in literarische Kreise; man prüfte, fand, was ich gefunden, und hielt mit mehr oder minder einschränkender Anerkennung nicht zurück. So kam es, daß der Name der Verfasserin ein mehrfach genannter wurde, sie selbst aber hier und dort als interessante Erscheinung auf der Bildfläche der Öffentlichkeit auftauchte. Wie weit dies alles in ihr bisheriges Leben verändernd eingriff, blieb mir unbekannt. Denn in meinen eigenen Verhältnissen war inzwischen ein Umschwung eingetreten, welcher, seit längerem vorbereitet, mich zu dem Entschlusse bestimmt hatte, Wien zu verlassen und einen anderen Aufenthaltsort zu wählen; ich war abgereist, ohne Elsa Röber wieder gesehen zu haben. Frauenlob, der mich seit jenem Abend auffallend vernachlässigt hatte, war beim Abschiede sehr kühl und wortkarg, indem er das schweigende Selbstbewußtsein eines Mannes hervorkehrte, der in stolzer Zurückhaltung bloß die Tatsachen für sich sprechen läßt.

[245] Ich würde also in meiner Abgeschiedenheit aller dieser Ereignisse und Zusammenhänge immer weniger gedacht haben, wenn mich nicht jetzt ab und zu die Zeitungen daran gemahnt hätten. Ich stieß auf Notizen über Elsa Röber, auf literarische, sowie auf solche, welche bloß Persönliches enthielten. So wurde sie auch in einer Schilderung des glänzenden Festes, das während des Karnevals in den Atelierräumen eines berühmten Malers stattgefunden, unter den Damen genannt, welche durch blendende Erscheinung und prachtvolles Kostüm besonders aufgefallen waren.

Da erhielt ich im Frühling von Frauenlob ganz unvermutet ein Buch zugesendet. Er war, wie sich zeigte, wieder einmal »schöpferisch« tätig gewesen und hatte unter sehr verlockendem Titel einen Band Erzählungen herausgegeben, welche in der Tat bewiesen, daß es ihm weit weniger an Talent, als an Geschmack und innerer Reife gebrach. Eine dieser Erzählungen, und zwar die längste von allen, konnte sogar als gelungen bezeichnet werden, und ich war froh, ihm dies in warmen Worten mitteilen zu können. Mich bei dieser Gelegenheit nach Elsa zu erkundigen, unterließ ich nach einiger Überlegung, es gewissermaßen ihm selbst anheimstellend, ob er mir in dieser Hinsicht Nachricht geben wolle oder nicht. Ich empfing von ihm auch sofort ein längeres Schreiben, welches nebst seinem Danke für meine Anerkennung folgendes enthielt:

»Und nach Elsa Röber fragen Sie nicht? Das ist mir ein Beweis, daß Sie sich um diese Frau gar nicht mehr kümmern. Dennoch dürfte es Sie interessieren, zu erfahren, daß ich meine Beziehungen zu ihr abgebrochen habe. Und zwar vollständig und für immer. Denn sie ist infolge ihres literarischen Debüts mit Kreisen in Berührung gekommen, die mir durchaus nicht zusagen. Überdies hat sich merkwürdigerweise der Ausspruch, den Sie, wie Sie sich noch erinnern werden, einst über Röber getan, insofern bewahrheitet, als es diesem wirklich gelungen ist, die an jenem denkwürdigen Abend aufs Tapet gebrachte [246] Angelegenheit in Fluß zu bringen. Er vermittelt jetzt, so heißt es, bedeutende Exporte nach allen Balkanländern, und Sie begreifen, daß er sich bereits auf den kleinen Krösus hinausspielt. Die enge Stadtwohnung ist aufgegeben, eine weitläufige in einem vornehmen Neubau bezogen worden. Kleine Diners finden dort statt, sowie größere Abendgesellschaften, an welchen neben einigen fragwürdigen Geschäftsexistenzen auch gewisse Schmarotzer teilnehmen, die den Ruhm der Hausfrau in die Welt posaunen. Dieses alles würde übrigens noch hingehen, wenn nicht auch sie angefangen hätte, sich (wie lächerlich!) auf die große und vornehme Dame hinauszuspielen – und sogar mir, dem sie in schlimmer und schlimmster Zeit ihren Erfolg (der ja auch ein pekuniärer war!) zu danken hatte, mit Herablassung und Geringschätzung zu begegnen. Da ich aber keineswegs der Mann bin, solches zu dulden, so habe ich ihr, nachdem sie mich einmal über eine Stunde hatte antichambrieren lassen, meine Meinung rund heraus gesagt und sie ihrem Schicksal überlassen. Dieses wird kein sehr freundliches sein; denn Leuten wie Röber gegenüber bleibt das Sprichwort aufrecht: Wie gewonnen, so zerronnen. Übrigens kann mir alles weitere um so gleichgültiger sein, als ich selbst neue Wege einzuschlagen gedenke. Hören und staunen Sie: auch ich verlasse Wien. Allerdings nicht, um mich, gleich Ihnen, in beschauliche Einsamkeit zurückzuziehen. Ich will mich vielmehr aus unseren stagnierenden, absterbenden Zuständen heraus so recht ins Volle und Aufstrebende stürzen – kurz: ich will trachten, in der Hauptstadt des Deutschen Reiches Boden zu gewinnen. Für einen Österreicher keine leichte Aufgabe, werden Sie sagen. Gewiß. Aber ich schrecke vor Schwierigkeiten nicht zurück. Man hat in Berlin einen sehr bezeichnenden Ausdruck erfunden: das Epitheton ›schneidig‹. Nun, einige ›Schneidigkeit‹ werden Sie mir, wie Sie mich kennen, wohl zugestehen müssen – und daraufhin will ich es wagen. Jedenfalls werde ich diesen Sommer daran setzen, die dortigen literarischen Verhältnisse eingehend zu [247] studieren – und mich überhaupt umzutun. Gelingt es mir nicht, feste Anknüpfungspunkte zu finden – dann erübrigt mir freilich nichts anderes, als wieder zur alten Wiener Tretmühle zurückzukehren. Unter allen Umständen aber erhalten Sie aus der deutschen Metropole Nachricht von Ihrem usw.«

So also standen nunmehr die Dinge, deren Entwicklung ich bald wieder aus den Augen verlor. Denn immer seltener wurde jetzt in den Blättern, die mir zu Gesichte kamen, Elsa Röber erwähnt; es ließ sich erkennen, daß man über sie, die ihrem ersten kein zweites Werk hatte folgen lassen, bereits wieder zur Tagesordnung übergegangen war. Nur einmal noch, nach ziemlich geraumer Zeit, stieß mir eine Notiz auf: Frau Elsa Röber habe zur Errichtung eines Kinderasyls eine sehr namhafte Summe beigesteuert. Ich stutzte. Wollte sie vielleicht mit dieser Spende Gewissensregungen beschwichtigen und an fremden Kindern gutmachen, was sie einst an den eigenen verbrochen? Fast schien es mir so. Es konnte indessen auch bloße soziale Eitelkeit sein, was sie antrieb, als öffentliche Wohltäterin zu glänzen. Eines aber war damit bewiesen: daß sich Röber noch immer im Stadium des »Gewinnens« befand.

Was Frauenlob betraf, so hatte er mir zwar von Berlin aus voll stolzer Zuversicht und weitgehender Erwartungen geschrieben, auch später unter Kreuzband ein paar Artikel zugesendet, die in dortigen Blättern erschienen waren; fernere Resultate jedoch ließen auf sich warten.

7.

VII.

Ein Jahr später führten mich die Verhältnisse auf kurze Zeit wieder nach Wien. Es war im Frühsommer, und die helle Stadt schimmerte in vollem Blütenschmuck ihrer öffentlichen Anlagen. Dennoch hatten viele meiner Bekannten sich bereits aufs Land begeben. Einer von ihnen stellte mir in seiner verlassen stehenden Wohnung ein Zimmer zur Verfügung, [248] welches ich eigentlich nur zum Schlafen benützte. Ich empfing niemanden, ging ziemlich unbeachtet meinen Geschäften nach und gab mich nebenher im stillen den Genüssen hin, welche Wien und seine nächste Umgebung in dieser schönen Jahreszeit darbieten.

So hatte ich mich auch an einem strahlenden Sonntagsmorgen zu einer Fahrt nach Schönbrunn entschlossen. Ich wollte da draußen, etwa im Jägerhause, frühstücken und hierauf wieder einmal den herrlichen Park nach allen Richtungen durchstreifen, wollte mich später auf eine Bank niederlassen, die sonnigen, rasenumsäumten Blumenbeete des Parterres, die weißen Marmorgruppen in den Nischen der Laubwände, das freundliche Schloß mit seinen grünen Jalousien vor Augen – und mich dabei in längst vergangene Zeiten, in alte teuere Erinnerungen zurückträumen ......

Das führte ich denn auch alles aus – und darüber war es Mittag geworden. Ich dachte nun bei »Dommayer« zu essen, nachmittags aber bei Verwandten vorzusprechen, die in Penzig wohnten, und welche ich seit einer Reihe von Jahren nicht mehr aufgesucht hatte.

Während ich mich jetzt dem nach Hietzing führenden Ausgang des noch ziemlich menschenleeren Parkes näherte, kamen mir in der breiten Doppelallee zwei hohe, vornehm aussehende Frauengestalten entgegen. Die eine von ihnen schien mir sehr bekannt; unwillkürlich blickte ich sie forschend an – und sah, nun schon ganz in der Nähe, daß ich Elsa Röber vor mir hatte.

Auch sie war, wie ich bemerken konnte, auf mich aufmerksam geworden, und ungeheuchelte Freude des Wiedersehens malte sich jetzt in ihren Zügen.

»Ah, Sie sind in Wien!« rief sie, stehenbleibend und mir die Hand entgegenstreckend, die ich mit einiger Verlegenheit ergriff. »Seit wann sind Sie denn hier? – Aber ich muß Sie bekannt machen«, fuhr sie mit einem Blick auf ihre Begleiterin [249] fort, die mich stolz und zurückhaltend betrachtete. »Meine Freundin Frau von Ramberg – Herr –.«

Ich hatte inzwischen herausgefunden, daß mir auch diese Dame, welche eine Art Männerhut und einen leichten Halbschleier trug, nicht ganz fremd war; denn sie gehörte zu jenen Erscheinungen, mit welchen mich die weitläufigen gesellschaftlichen Beziehungen, die ich in früherer Zeit noch unterhielt, hier und dort flüchtig zusammengeführt. Sie war die Frau eines Konsulatsbeamten und mit diesem ziemlich weit in der Welt herumgekommen; seit sie aber von ihm getrennt lebte, hatte sie Wien zu ihrem ständigen Aufenthaltsorte gewählt, wo sie eine rege gemeinnützige Wirksamkeit zu entfalten suchte. Sie beschäftigte sich viel mit der Frauenfrage, war Mitglied mehrerer weiblichen Vereine; ja sie hatte sogar an der Klinik eines berühmten Chirurgen einen Pflegerinnenkurs durchgemacht, dessen Frucht eine kleine Broschüre über diesen Gegenstand war. Sie galt für geistig sehr bedeutend, aber auch für hochmütig und ränkesüchtig; die Männer behandelte sie mit kühler Herablassung und schloß sich mit Vorliebe an Frauen an.

Sie erwiderte nunmehr meine Verbeugung mit einem gemessenen Kopfnicken.

»Und bleiben Sie jetzt hier?« fragte Elsa weiter.

»Keineswegs. Ich bin nur auf ganz kurze Zeit gekommen – gleichsam inkognito –«

»Das ist schade. Ich begreife übrigens, daß man es vorzieht, auf dem Lande zu leben. Die Ruhe ist so wohltuend. Auch wir wollen jetzt beständig in Hietzing wohnen, wo wir eine Villa gekauft haben. Wußten Sie vielleicht davon?«

»Nein.«

»Weil Sie sich auch gar nicht um so alte Bekannte kümmern! Aber kommen Sie doch ein wenig mit uns. Man hat mir Bewegung verordnet, und da laufe ich denn die Alleen hier ab.«

Ich konnte nicht umhin, mich anzuschließen und fand mich [250] allmählich in die so unvermutete Situation. Hatte ich doch kaum mehr der Frau gedacht, die jetzt neben mir herschritt! Sie war schlank geblieben und sah bei näherer Betrachtung etwas gealtert aus; vor allem hatte ihr Teint und der Schmelz der Zähne bedeutend gelitten. Aber ihre Züge waren feiner, vergeistigter geworden, und ein schwermütiger, schmerzlicher Zug um Augen und Mund verschönte sie eigentümlich. Ein Morgenkleid aus rot gemustertem Foulard und ein großer weißer Spitzenhut vollendeten ihre tadellose Erscheinung. Ja, sie war in Haltung und Miene, in Wort und Gebärde wahrhaftig eine »Dame« geworden. Der Wiener Dialekt, der ihr eigentlich niemals stark angehaftet und welchen sie im Verkehr mit Röber, der ein sehr reines Deutsch sprach, schon früher so ziemlich abgestreift hatte, war jetzt bis auf einige leichte und gemütliche Anklänge aus ihrer Rede verschwunden. Was nicht das Geld bewirkt! So dacht' ich im stillen, während ich das kostbare Parfüm einatmete, das in einem feinen Hauche von ihr ausging.

»Wissen Sie,« begann sie nach einigen schweigend zurückgelegten Schritten, »daß ich Ihnen schon schreiben wollte?«

»Mir? Gewiß in einer literarischen Angelegenheit?«

»O keineswegs!« erwiderte sie rasch mit leichtem Erröten, »Sie erinnern sich doch – ich sagte Ihnen ja, daß ich eigentlich keinen Beruf zur Schriftstellerin in mir fühle.«

»Man muß es ihr glauben, da sie es behauptet«, warf Frau von Ramberg, halb zu mir gewendet, mit ihrer etwas dünnen und knöchernen Stimme ein. »Sie hat aber trotzdem einen neuen Roman zu schreiben begonnen.«

»Nun ja; ich bin jetzt wieder oft allein – und da muß ich doch die Zeit mit irgend etwas hinbringen. Aber es ist nur für mich; Sie wissen ja, es macht denen, die mir am nächsten stehen, keine Freude.«

»Daran würde ich mich in der Tat nicht kehren«, sagte die andere scharf.

»Ach lassen Sie das jetzt, liebe Euphemie«, erwiderte Elsa [251] mit einem bittenden Blick. Und dann zu mir: »Aber sagen Sie doch, wohin wollten Sie eben? Was haben Sie für heute vor?«

»Ich wollte zu Dommayer –«

»Zu Dommayer? Essen Sie doch lieber mit uns!«

»Wie könnt ich – –«

»O ich verstehe. Sie haben noch jenen unseligen Abend im Gedächtnisse. Aber Sie werden heute alles anders finden – und auch ein paar Freunde von uns – eine ganz kleine Gesellschaft –«

»Die ich nicht kenne.«

»Der Architekt K .... und der Musiker H ... werden Ihnen doch nicht fremd sein?« sagte die Ramberg spitz, indem sie in die Luft sah.

»Und der junge Maler R ... gewiß auch nicht«, setzte Elsa dringend hinzu. »Er tritt jetzt ganz in die Fußtapfen Lenbachs und Fritz Kaulbachs. – Und was den Hausherrn betrifft, so hatte er sich damals absichtlich so schroff benommen – und es auch gleich darauf bereut – Ihretwegen. Nur der Doktor war ihm äußerst verhaßt – und wie ich jetzt zugeben muß, nicht mit Unrecht.«

»Nun –«

»Ich weiß, was Sie sagen wollen. Er hat sich mit dem Roman sehr bemüht – hat mir, ich geb' es gerne zu, in böser Zeit einen großen Dienst erwiesen. Und ich wäre ihm auch gewiß dankbar gewesen – aber er wollte sich sofort bezahlt machen.«

Sie erhob das Haupt und blickte wegwerfend zur Seite.

»Von wem ist die Rede?« fragte Frau von Ramberg.

»Ach von –« Elsa nannte den Namen.

»Das ist aber doch ein höchst geistvoller Mensch«, sagte die andere sehr bestimmt. »Wie ich höre, lebt er jetzt in Berlin?«

»Ich glaube«, warf ich leicht hin, da ich nicht recht wußte, was ich erwidern sollte.

[252] »Also nicht wahr, Sie kommen?« wandte sich jetzt Elsa wieder an mich. »Um drei Uhr. Hetzendorferstraße.« Sie fügte die Nummer bei.

Aber ich trug durchaus kein Verlangen, dort zu speisen, und brachte meinen beabsichtigten Besuch in Penzig vor.

»Ach, den können Sie ja inzwischen abtun!«

»Nun ja, aber –«

»Kein aber! Bitte, kommen Sie! Ich hätte Ihnen so manches zu sagen –«

»Ich kann ja nach Tisch erscheinen.«

»Sie würden uns vielleicht nicht antreffen; denn wir fahren wahrscheinlich nach Tisch aus.«

»Nun, wenn dieser Herr gar so viele Umstände macht –« sagte Frau von Ramberg und zog die Schultern in die Höhe.

»Nein, nein! Ich habe ihn nun einmal und lasse ihn nicht wieder los. Wer weiß, ob ich ihn sonst jemals wieder sehe, da er ja nicht hier bleibt – und auch ich schon in den nächsten Tagen abreise. – An die See – oder ins Gebirge«, setzte sie mit leiserer Stimme, zu mir gewendet, hinzu. »Ich bin sehr leidend – meine Nerven sind zerrüttet –«

Ich blickte sie an. In der Tat: der schmerzliche Zug in ihrem Antlitz trat jetzt schärfer hervor, und ihr Blick hatte etwas Erloschenes.

»Nun denn,« sagte ich, unwillkürlich nachgebend, »ich werde erscheinen.«

»Schön!« rief sie. »Und nun machen Sie Ihren Besuch!«

Ich verabschiedete mich von den Frauen und begab mich über den schwankenden Kettensteg nach Penzig. Dort traf ich, wie dies meistens in ähnlichen Fällen zu geschehen pflegt, niemanden von der Familie, die ich wieder sehen wollte, zu Hause. Man hatte vereint für den ganzen Tag einen weiteren Ausflug unternommen.

8.

[253] VIII.

So begab ich mich denn doch zu Dommayer und blieb dort bis hart an drei Uhr sitzen. Endlich betrat ich die Hetzendorfer Straße und dachte beim Anblick der neuen schimmernden Villen an die unscheinbare Reihe schlichter, kleiner Landhäuser, welche in früherer Zeit hier gestanden.

An Ort und Stelle angelangt, wurde ich von einem Livreediener in einen großen, ebenerdigen Salon geführt, wo der Hausherr mit sechs männlichen Gästen bereits anwesend war. Ich sah, daß Röber bei meinem Erscheinen leicht errötete, und er konnte seine Verlegenheit nicht ganz bemeistern, während er mir mit ausgesuchter Höflichkeit entgegenschritt.

»Elsa hat mir gesagt, daß wir heute das Vergnügen haben würden, Sie zu empfangen; ich freue mich außerordentlich. Die Damen werden wohl gleich erscheinen; darf ich Sie einstweilen mit diesen Herren bekannt machen?«

Der Architekt, ein behäbiger, jovialer Lebemann und infolge des feinen Kunstsinnes, den er als Hersteller geschmackvoller Interieurs bewährte, in den vornehmsten Kreisen gesucht und beliebt, war schon auf mich zugekommen und schüttelte mir die Hand, während der Musiker H ..., ein ergrauter Apostel Richard Wagners, sich mit einem apathischen Kopfnicken begnügte. Der Maler, schlank und blond, der mir bloß dem Namen nach bekannt war, verneigte sich mit verbindlicher Schüchternheit wie ein junges Mädchen.

Ganz unbekannt waren mir: Herr Malinsky, Geschäftsfreund Röbers; eine hagere Gestalt mit fast kahl geschorenem Haupte, aber endlos nach rechts und links abstehendem Backenbarte. Sein Antlitz war schlaff und durchfurcht, sein Blick matt und doch durchdringend wie der eines Croupiers. Dann ein schmächtiger Jüngling mit nachlässiger, vornüber gebeugter Haltung, dünner Habichtsnase, ein rundes Stück Glas ins rechte Auge geklemmt. Er wurde mir als Baron Conimor vorgestellt [254] und bemühte sich, verständnisinnig zu lächeln, als ihm mein Name genannt wurde. Dabei sah man ihm die Zuversicht an, daß der Nimbus kolossalen Reichtums, der den seinen umstrahlte, keineswegs verfehlen würde, die richtige Wirkung zu tun. Ganz zuletzt tauchte, gewissermaßen wie aus einem Versteck, ein kleiner dicker Mann mit Säbelbeinen, ungeheuerer Stirn und wulstigen Lippen über dem verschwindend kurzen Kinn auf: der Direktor des neuen Kinderasyles. Er verneigte sich linkisch und sah in seinem zwar ganz neuen, aber sehr schlecht sitzenden schwarzen Anzuge zwischen den in geschmackvolle Sommertracht gekleideten Anwesenden wie ein Leichenbitter aus. Den vornehmsten Eindruck machte Röber. Er war wieder ganz die stramme, tadellose Erscheinung von früher. Sein Scheitel war freilich gelichtet geblieben; aber dieser Mangel ließ die Stirn freier und schöner hervortreten, wie denn überhaupt seine Züge, wie sich nun zeigte, mit den Jahren an Bedeutung gewonnen hatten. »Was nicht das Geld vollbringt!« dachte ich wieder still bei mir.

Jetzt öffnete sich die Tür, und die beiden Damen traten ein. Aller Augen blickten ihnen entgegen und leuchteten, mit Ausnahme der grauen und kalten Röbers, in Bewunderung für die Hausfrau auf.

Elsa sah nun auch wirklich überraschend schön aus, und man kam hier wieder einmal zur Einsicht, welche Rolle die Ankleidekunst im Leben einer verblühenden Frau spielt. Eine knappe, spitzenverbrämte Robe von gelblicher Farbe, herzförmig ausgeschnitten und in der linken Achselgegend mit blassen Rosen geschmückt, zeigte ihren Wuchs in harmonischer Schlankheit; die eben in Mode gekommene schlichte und glatte Haartracht, mit dem kleinen englischen Knoten im Nacken, ließ sie um so jugendlicher erscheinen, als der krankhafte Gesichtsausdruck in diesem Augenblicke gänzlich verschwunden war. Erst jetzt bemerkte ich, daß die Haare einen starken Schimmer ins Rote aufwiesen, der offenbar künstlich hergestellt war, wie man denn überall die verhüllende, nachbessernde und verschönende Hand [255] wahrnehmen und verfolgen konnte. Dennoch lag über der ganzen Gestalt eine köstliche aromatische Frische, an der man ebenso wenig zweifeln mochte, wie an der Echtheit der Brillant-Boutons, die an den rosigen Ohren der schönen Frau gleich großen Tautropfen funkelten.

Als gerader Gegensatz erschien Frau von Ramberg, obgleich auch sie sich in den Gemächern der Hausfrau mit etwas Reispulver angefrischt und den spärlichen Brauenwuchs über den wasserblauen Augen sorgfältig nachgedunkelt hatte. Ihr Gesicht erwies sich nun ohne Schleier als nicht unhübsch: kleine, gekniffene Züge, denen ein bedeutungsvoller Ausdruck aufgezwungen war. Sie trug das fahlblonde Haar rund abgeschnitten und zu einer kunstvollen Kräuselfülle aufgebauscht, was ihr im Verein mit der stolzen Kopfhaltung und einem schwarz geränderten Kneifer, den sie nunmehr, weiß Gott warum, auf die Stumpfnase gesetzt hatte, fast das Aussehen eines jungen Mannes verlieh; auch der hagere, eckige und von einem übertrieben einfachen Kleide bis an das Kinn hinauf umschlossene Leib stimmte dazu. So hatte denn die ganze Erscheinung etwas Zwiespältiges, das leicht ein Lächeln hätte hervorrufen können, aber der scharfe, böse Zug um die schmalen, blutlosen Lippen der Dame mahnte zur Vorsicht.

Elsa, ein prachtvolles Bukett von Rosen und Hyazinthen in der Rechten, bot mir mit einem Blick der Befriedigung rasch die Linke zu flüchtigem Drucke. »Schön, daß Sie Wort gehalten haben!« Dann begrüßte sie die Gesamtheit der übrigen Herren mit einer anmutigen Kopfbewegung und trat auf den Direktor zu. Dieser sagte unter zahllosen Bücklingen, er habe seinen Sonntag benützt, um der großherzigen Gönnerin vor der Badereise noch Kunde von ihren lieben Schützlingen zu bringen. Der Herr Gemahl sei so liebenswürdig gewesen und habe ihn aufgefordert, beim Diner zu bleiben.

»Sehr willkommen«, erwiderte Elsa, deren Züge einen innig ernsten, fast andächtigen Ausdruck angenommen hatten. [256] »Hoffentlich gedeihen die Kleinen und sind zufrieden. Wir wollen bei Tisch weiter davon sprechen.« Dann wandte sie sich, wie mir schien, mit etwas gezwungener Liebenswürdigkeit an Conimor. »Und Ihnen, Baron Sigi, muß ich sehr danken für das wundervolle Bukett – sowie für die anderen Blumen, die Sie mir neuerdings haben senden lassen. Es ist sehr lieb von Ihnen – aber was wird Ihr Papa sagen, wenn Sie die Treibhäuser derart plündern? Nicht wahr, Leo?« Sie blickte nach Röber; dieser aber zuckte bloß die Achseln.

»Ach was, Papa!« lachte Conimor gedehnt. »Der tut's ja selbst – wenn auch mehr im geheimen.«

»Das muß wahr sein«, warf der Architekt ein, der als gutmütiger Spottvogel bekannt war. »Conimor Vater und Sohn ersticken die Frauen Wiens mit Blumen.«

»Nur die schönen, wenn ich bitten darf«, versetzte der Baron, Elsa, indem er den Kopf leicht hin und her wiegte, mit den Augen verschlingend. »Übrigens – unsere Gärten vertragen es. Sie wissen doch, daß wir zur Vergrößerung der Anlagen in Nußdorf wieder einige Joch Terrain erworben haben?«

»Und einen Gartendirektor aus England«, warf der Maler ein.

»Ja – aber auch der leistet nichts Besonderes, nichts Außergewöhnliches. Rosen – und immer wieder nur Rosen. Das wird am Ende langweilig. Soll einer einmal eine ganz neue Blume erfinden!«

»Das dürfte freilich schwer halten«, sagte der Architekt. »Aber bringen Sie selbst einmal Abwechselung in den Gegenstand. Geben Sie statt der Rosen andere Gewächse, zum Beispiel Passifloren.«

Conimor öffnete ein wenig den Mund und sah in die Luft. »Passifloren?«

»Gewiß«, fuhr der andere fort. »Und da ließe sich vielleicht eine ganze neue Spielart zuwege bringen; die können Sie dann Passiflora Conimor nennen.«

»Passiflora Conimor«, wiederholte der Baron gedankenlos, [257] denn er starrte wieder nach Elsa, die sich inzwischen von ihm entfernt hatte.

In diesem Augenblicke wurden die Türflügel des anstoßenden Speisezimmers geöffnet, und ein Diener in schwarzem Frack meldete, daß serviert sei.

Elsa schob leicht ihren Arm unter den meinen; Röber führte Frau von Ramberg, die mit dem Direktor ein Gespräch begonnen hatte, und wir ließen uns alle an dem Tische nieder, der mit kostbarer Einfachheit gedeckt war: schweres Linnen, schwere Kristallgläser, massives Silber. Keine Blumen (denn wie mir Elsa zuflüsterte, liebte Röber sie nicht auf der Tafel); nur eine alte getriebene Fruchtschüssel, in welcher, von großen Gartenerdbeeren umgeben, eine Ananas goldig erglänzte, hob sich farbig von dem funkelnden und schimmernden Weiß ab. Auch das Menu sprach für den Geschmack der Wirte: wenige Gänge, aber ausgesuchte, seltene Gerichte; Bordeaux und Champagner.

Elsa saß zwischen mir und dem Direktor. Dieser hatte gleich nach der Suppe seinen Bericht begonnen, den er, von teilnehmenden Fragen der Hausfrau des öfteren unterbrochen, mit einem salbungsvollen Sermon über den Segen der modernen Humanität schloß. Die Unterhaltung wurde nun allgemein. Conimor gab die neueste Turfanekdote zum besten. Man kannte sie aber schon und sie fand daher wenig Anklang. Die Künstler sprachen selbstverständlich von allerlei, das in ihr Fach schlug: der Maler von dem Bismarckbildnisse Lenbachs, der Architekt von einem verfallenen Schlößchen, das ein Graf X in Tirol gekauft habe und dessen Restaurierung demnächst in Angriff genommen werden sollte, der Musiker von der Aufführung des Parzival, die in Bayreuth bevorstand. Meine Tischnachbarin zur Linken, Frau von Ramberg, gab mir sehr eindringlich ihre Begeisterung für einen norwegischen Dichter zu hören, welcher eben damals mit seinen Dramen Aufsehen erregte, später aber durch Henrik Ibsen vollständig verdrängt [258] wurde. Röber überwachte mit scharfen Blicken den Fortgang des Diners, während er mit dem neben ihm sitzenden Malinsky von Zeit zu Zeit einige vertrauliche Worte wechselte.

Nicht allzu lange dauerte es, so wurde die Tafel aufgehoben, und man begab sich, um den Kaffee zu nehmen, in den Salon, da einstimmig erklärt wurde, auf der Terrasse sei es noch zu heiß.

Nachdem der Direktor seine Tasse und ein Gläschen Chartreuse geleert hatte, bewegte er sich, eine der schweren Zigarren, die Röber seinen Gästen dargereicht, unangezündet zwischen den dicken Fingern, verlegen auf seinem Stuhle hin und her. Endlich erhob er sich und stammelte, man möge verzeihen, daß er sich leider entfernen müsse. Er habe eine Verabredung mit seiner Frau getroffen, die ihn in Schönbrunn erwarte.

Elsa reichte ihm sehr freundlich die Hand, die er untertänig an die wulstigen Lippen drückte. Wie schön, wie weiß war jetzt – ich hatte sie schon bei Tisch bewundert – diese Hand, an deren schlankem Goldfinger ein prachtvoller Saphir glänzte.

»Ich hoffe, vor meiner Abreise Ihre Zöglinge noch persönlich aufsuchen zu können; wenn nicht, so erhalten Sie jedenfalls das Bewußte zugesendet.«

Kaum war der Direktor, der sich in der Nähe der Tür noch einmal mit einem tiefen Knix umgewendet hatte, wobei er nach Weiberart an seine langen Rockschöße griff, verschwunden, als auch Röber sich erhob.

»Ich muß ebenfalls aufbrechen,« sagte er, »und kann nur bedauern, die Gegenwart so angenehmer Gäste nicht länger genießen zu können.«

Man sah, wie Elsa erbleichend zusammenzuckte. »Wie?« fragte sie mit gepreßter Stimme, »du willst fort? Du hast doch versprochen, den Abend hier zuzubringen – endlich einmal«, setzte sie leiser hinzu.

»Ja, ich habe es versprochen«, erwiderte er kalt. »Aber ich kann mein Versprechen nicht halten. Eine wichtige Angelegenheit zwingt mich, nach der Stadt zu fahren.«

[259] »Heute? An einem Sonntag?« fragte Frau von Ramberg spitz.

»Meine Angelegenheiten kennen keinen Sonntag, gnädige Frau.« Dann wandte er sich zu Elsa. »Malinsky wird es dir bestätigen; er kommt mit mir.«

»Allerdings«, sagte dieser, indem er seine durchfurchte Stirn noch mehr in horizontale Falten legte. »Es geht nicht anders, Verehrte.« Er erhob sich zum Abschied.

Elsa schien ihn gar nicht gehört zu haben.

»Geh' nur, geh'!« sagte sie, das Haupt zurückwerfend, heftig zu Röber. »Wir können auch ohne dich ausfahren.«

»Gewiß,« erwiderte er mit einem harten Blicke; »du wirst mit Conimor fahren.«

»Nun, wenn du es durchaus willst –« versetzte sie, nervös erbebend, und sah ihn mit weit geöffneten Augen an.

»Ja, ja!« rief der Baron vergnügt, »wir fahren miteinander! Mein Fiaker hat heute ein ganz neues Zeug'l – famos!«

Elsa achtete nicht darauf. »Und wann kommst du zurück?« fragte sie, schwer atmend.

»Das weiß ich nicht. Es dürfte spät werden, und da übernachte ich besser gleich in der Stadt.«

Nachdem er dies in eisigem Tone gesprochen hatte, verbeugte er sich nach rechts und links; dann trat er, wie sich besinnend, an mich heran und reichte mir mit einem Anfluge seines früheren Hochmutes die Hand. »Ich hoffe, Sie wohl noch ein andermal zu sehen.«

Als er sich mit Malinsky entfernt hatte, trat eine peinliche Stille ein. Man sah, in welcher Gemütsverfassung sich Elsa befand, und war in Verlegenheit, wie man darüber hinwegkommen sollte. Selbst der joviale Architekt wußte sich nicht zu helfen; er trommelte auf den Scheiben der Glastür, die auf die Terrasse führte, während Frau von Ramberg ihren sichtlichen Ärger hinter einem Zeitungsblatt verbarg, das sie zur Hand nahm. Der Maler aber näherte sich betrachtend [260] den Bildern, die an den Wänden hingen; darunter auch eine arg verstrichene Farbenskizze von Makart, welche die Hausfrau in einem ungeheueren Rembrandthute vorstellte. Zuletzt vertiefte er sich sehr angelegentlich in einen ganz kleinen Pettenkofen, der in der Nähe eines Fensters angebracht war. Nur Conimor kam nicht aus dem Gleichgewichte. Er goß sich höchst munter ein zweites Glas Chartreuse ein und vertauschte seine Zigarre, die er in den Aschenbecher warf, mit einer zarten Papyros.

»Wie heiß es hier ist!« rief Elsa plötzlich, indem sie ihren Fächer heftig auseinander schwirren ließ.

»Soll ich die Tür öffnen?« fragte der Architekt.

»Bitte!«

Er tat es. Die Luft, die hereindrang, war allerdings noch von der Nachmittagssonne durchglüht; aber ihr würziger Hauch erquickte doch und verteilte sich wohltuend in dem rauchigen Raume.

Man atmete freier auf, und auch Elsa schien sich allmählich zu fassen.

»Lieber H ...,« sagte jetzt Frau von Ramberg herablassend zu dem Musiker, der inzwischen regungslos dagesessen hatte, »Sie haben bei Tisch von der neuesten Schöpfung Wagners gesprochen. Sie kennen sie gewiß schon – wenigstens zum Teil. Können Sie uns nichts daraus vorspielen?«

»Den Anfang, wenn Sie wollen«, erwiderte der Gefragte trocken.

»O ja! Wir bitten darum!« rief Elsa aus ihren Gedanken heraus. »Nicht wahr?« wendete sie sich fragend an mich; sie hatte sich offenbar erst jetzt wieder auf meine Anwesenheit besonnen.

Der Musiker erhob sich, trat an den Stutzflügel, der in der Nähe der Gartentür stand, und öffnete ihn, während alles Platz nahm.

Jetzt begann er zu spielen. In feierlichen, vibrierenden Schwingungen, sofort an die Eigenart ihres Urhebers mahnend, quollen die Töne auf.

[261] Der Architekt, wie um gesammelter zuzuhören, schloß die Augen; der Maler drehte, etwas zerstreut, die Enden seines feinen blonden Schnurrbärtchens; Conimor, die Hände in den Hosentaschen, öffnete den Mund. Frau von Ramberg hatte sich neben Elsa gesetzt und lauschte mit zurückgeworfenem Haupte und übereinandergeschlagenen Beinen. Elsa blickte starr vor sich hin; von Zeit zu Zeit schien ein leichter Schauder durch ihren Körper zu gehen.

Das Spiel war zu Ende und tiefe Stille trat ein. Der Architekt fuhr empor; man merkte, daß er geschlummert hatte. Endlich sprach Frau von Ramberg: »Großartig! Erhaben!«

»Das eigentlichste Werk des Meisters, eine Offenbarung«, bekräftigte H .... barsch.

»Hm – ja«, sagte Conimor, indem er aufstand und näher trat. »Aber was Sie letzthin gespielt haben, hat mir noch viel besser gefallen. Sie wissen, das Stück da – aus Tristan und Isolde –«

»Isoldens Liebestod«, versetzte der Musiker kurz, ohne ihn anzusehen.

»Ach ja, Isoldens Liebestod!« rief Elsa hastig. »Er ist wundervoll! Spielen Sie ihn doch!«

»Wird es Sie nicht zu sehr angreifen, meine Liebe?« fragte die Ramberg mit gedämpfter Stimme. »Ich fürchte –«

»Ach nein, nein! Es tut nichts! Bitte, liebster H ...!«

Dieser legte wieder die langen, vertrockneten Finger auf die Tasten, während sich Conimor auf ein kleines Tabouret niederließ, das zufällig ganz nahe hinter dem Fauteuil Elsas stand.

So trat denn neuerdings erwartungsvolles Schweigen ein, und bald darauf entwickelte sich aus glau ineinander zitternden Klangwellen heraus, in allmählichen, grausam wollüstigen, immer wieder in sich zurücksinkenden Steigerungen, der gewaltsamste Angriff auf die menschlichen Nerven, den die Tonkunst kennt. Die Wirkung war auch hier eine geradezu körperliche: Jeder fühlte sich in seiner Weise gepackt, überwältigt, gepeinigt, entzückt, [262] aufgelöst. Selbst Frau von Ramberg konnte ihre Würde nicht behaupten; sie fing an, sich auf ihrem Sitze wie eine Schlange zu winden. Elsa lag weit zurückgelehnt in dem niederen Fauteuil, ohne zu merken, daß ihr Haar den Arm Conimors berührte, den dieser auf die Lehne gelegt hatte. Sie war bleich, und ein hastiges, gleichmäßiges Zucken erschütterte ihren Leib. Plötzlich stieß sie einen durchdringenden Schrei aus.

Alles sprang erschrocken auf; nur der Musiker blieb ruhig sitzen, die Finger auf den Tasten.

»Ich hab' es ja gewußt!« rief Frau von Ramberg, mehr erzürnt als besorgt, indem sie mit ihrer dürren Hand über die Stirn Elsas strich.

Diese sah aus wie eine Tote, ihr Blick war gebrochen. Dennoch erhob sie sich, mühsam nach Atem ringend, nahm den Arm der Dame und wankte, auf der andern Seite von Conimor unterstützt, aus dem Salon. Man hörte, wie sie draußen in ein krampfhaftes Weinen ausbrach.

»Schöne Bescherung!« sagte der Architekt nach einer Pause. Dann sich zu H .... wendend: »Da haben Sie die Wirkungen der Wagnerschen Musik.«

»Was kann Wagner dafür, daß die Leute krank sind«, versetzte der andere phlegmatisch.

»Wie aber stünd' es um ihn, wenn sie's nicht wären?«

»Sie sind jedenfalls gesund«, sagte H ...., indem er aufstand und ihm mit einen leichten Schlag auf den wohlgenährten Leib versetzte. Dann sah er nach der Uhr. »Schon sechs. Ich muß nach Lainz hinüber. Adieu.« Er verbeugte sich nachlässig und ging.

»Alter Musikbär!« brummte der Architekt und folgte dem Maler und mir über die Terrasse in den Garten, wo wir ziemlich einsilbig das blumige Rondell des Vorplatzes umschritten. Draußen, hart am Gitter, im Schatten überhängender Zweige stand der Fiaker Conimors; in der Tat ein sehr »fesches Zeug«, dessen [263] Lenker, auf dem Kutschbock ausgestreckt, den Schlaf des Gerechten schlief.

Jetzt kam der Baron zurück und gesellte sich zu uns. Wir sahen ihn fragend an.

»Ich weiß nichts«, sagte er, die Achseln zuckend. »Sie hat sich mit Frau von Ramberg auf ihr Zimmer begeben.«

Es dauerte nicht lange, so erschien diese auf der Terrasse und schritt uns, sichtlich erregt, mit wichtiger Miene entgegen.

»Die Frau des Hauses ist noch immer nicht wohl«, sagte sie.

»Doch nichts Gefährliches?« forschte Conimor angelegentlich.

»Ich hoffe nicht. Jedenfalls aber kann sie sich heute nicht mehr zeigen. Die Herren wollen sich also in ihren weiteren Plänen für den Abend nicht stören lassen. Sie aber, Baron Sigi, fahren sofort nach der Stadt zu Doktor Breuer, auf daß er, wenn möglich, noch heute herauskommt.«

»Soll geschehen«, versetzte Conimor, näherte sich dem Gitter und rief den Kutscher an. Er mußte es noch zweimal tun, bis dieser emporschrak, schlaftrunken um sich blickte und, endlich die Sachlage begreifend, beim Tor der Villa vorfuhr.

»Und was tun wir?« wandte sich der Architekt an den Maler.

Dieser blickte unschlüssig vor sich hin.

»Wenn die Herren wollen, nehme ich Sie mit«, sagte Conimor mit einer einladenden Armbewegung.

»Ja, haben wir denn alle drei Platz?« fragte der umfangreiche Baukünstler mit einem Blick nach dem zierlichen Gefährt.

»Ach was, wir nehmen den Baron auf den Schoß!« erklärte der Maler.

Die Herren stiegen ein.

Nachdem der Wagen fortgerollt war, sah mich Frau von Ramberg von der Seite an und fragte: »Sie kennen Elsa schon lange?«

[264] »Allerdings – ziemlich lange.«

»Und auch, wie sie mir selbst gesagt hat, ihre früheren Verhältnisse. Da werden Sie sich wohl manches von dem erklären können, was Sie heute wahrgenommen.« Sie erwartete, daß ich etwas darauf sagen würde. Da dies aber nicht geschah, fuhr sie fort: »Das ist die Folge, wenn man einem Manne alles opfert. Offen gestanden, habe ich Elsa, nachdem ich ihren Roman gelesen, für eine weitaus bedeutendere Frau gehalten. Sie ist doch nur eine beschränkte, weichmütige Wienernatur und brachte es nicht einmal dahin, daß Röber sie geheiratet hat. – Ich glaube, sie wollte Ihnen Eröffnungen machen und Ihren Rat erbitten«, setzte sie nach einer Pause hinzu, offenbar ärgerlich über mein andauerndes Schweigen, das ihr gewiß sehr einfältig erschien. »Aber da ist nicht zu raten und nicht zu helfen. Er liebt sie eben nicht mehr. Auch sonst ist die Arme sehr übel daran. Sie hat nämlich in letzter Zeit öfter derlei Anfälle, und die Ärzte verstehen ihren Zustand gar nicht, wenn sie ihr Bewegung verordnen. Ich halte das Ganze für den Beginn einer höchst traurigen Frauenkrankheit.«

Mit diesem kategorischen Ausspruch zog sie das Kinn zu kurzem Gruß an und entließ mich.

Ich aber trat in den lauen, dämmerigen Abend hinaus. Auf dem Hietzinger Platze wimmelte es von Menschen und Fuhrwerken aller Art, die bereits samt und sonders der Stadt zustrebten, während bei Dommayer lustige Musik erklang und immer neue Scharen von Besuchern den Schönbrunner Park verließen. Mitten in diesem bunten Gewoge schritt auch ich jetzt, meinen Gedanken nachhängend, dahin.


* * *


Als ich mich im Laufe der nächsten Tage, meinen Besuch in Penzing erledigend, nach dem Befinden Elsas erkundigte, erhielt ich in der Villa den Bescheid, daß sie auf dringendes Anraten der Ärzte eine altbewährte Wasserheilanstalt aufgesucht habe.

9.

[265] IX.

Die Zeit meiner Abreise war herangerückt. Bevor ich meine Vaterstadt vielleicht auf lange wieder verließ, wollte ich noch eine stille Stunde der Gemäldegalerie im Belvedere weihen. Konnte es doch das letztemal sein, daß ich diese Kunstschätze an dem stimmungsvollen Orte sah, wo ich sie seit meiner Jugend zu betrachten und zu bewundern gewohnt war.

Die Ausführung dieses Vorhabens wurde durch mehrfache Umstände bis knapp vor dem Tage verzögert, den ich mir zur Reise festgesetzt hatte, und selbst da kam noch allerlei Störendes dazwischen, so daß es bereits zwei Uhr war, als ich mich, an den wohlbekannten Taxushecken und den steinernen Sphinxen vorübereilend, dem ehemaligen Sommerpalaste des Prinzen Eugen näherte. Das Wetter war dem Unternehmen nicht sehr günstig: ein düsterer, bedeckter Himmel, der sich hin und wieder aufhellte, um gleich wieder regendrohend sich zu verfinstern. So fehlte denn, als ich die weiten Säle betrat, der verklärende Sonnenschein, welcher, wenn auch in einzelnem zuweilen störend, die Gesamtheit der Bilder sofort dem Auge und Herzen näher bringt. Zudem waren unvermutet viele Besucher da; die Mehrzahl rote Bädeker in den Händen. Was mich aber am meisten störte, war die Unzahl von kopierenden Malern und Malerinnen. Sie saßen nur so in Reihen hintereinander, jeder und jede noch ein paar neugierige Zuseher im Rücken oder zur Seite. Ich konnte die richtige Stimmung nicht finden und ging zerstreuten Sinnes an den herrlichen Meisterwerken hin. Dieser leere, unbefriedigte Zustand wurde aber mit einem Mal zu einem grimmigen Mißbehagen, als ich im Rubenssaale mit einem Herrn zusammenstieß, dem ich, und besonders heute, lieber eine Meile weit aus dem Weg gegangen wäre. Es war ein sogenannter »Amateur«, ein sonst ganz unbeschäftigter, ziemlich wohlhabender Mann, der in allen Ateliers herumschnüffelte, auf jeder Auktion anzutreffen war und, wie sich von selbst versteht, [266] eine kleine Privatgalerie samt einer wertvollen Antiquitätensammlung besaß. Sein selbstbewußtes Wesen, seine rechthaberischen, oft sehr schiefen Kunsturteile waren sprichwörtlich geworden, und die Maler behaupteten, er verstehe von Bildern so viel oder so wenig wie ein Schuhflicker. Das war nun freilich übertrieben; denn wiewohl er nach jeder Richtung hin Aussprüche tat, die von dünkelhafter Halbbildung strotzten, so konnte man doch nicht leugnen, daß er, wie alle solche Menschen, die Gabe besaß, an jeder Leistung sofort die schwachen Seiten herauszufinden. Und wie in der Kunst, so auch im Leben. Ein aufdringlicher Gesellschafter, wußte er sich in alle Kreise Eintritt zu verschaffen; man duldete ihn als eine Art notwendigen Übels und bespöttelte seine böse Junge mehr, als man sie fürchtete, da er oft genug über ganz harmlose Persönlichkeiten die ungeheuerlichsten Dinge vorbrachte. Dennoch wußte er sehr genau, wo jeden einzelnen der Schuh drückte, und die verborgensten und verschwiegensten Verhältnisse waren für ihn nicht selten ein offenes Buch, in dem er mit Behagen las.

Ich wollte anfangs Miene machen, ihn nicht sofort zu erkennen, dann aber mich mit einer verbindlichen Gebärde schweigend an ihm vorbei drücken. Er jedoch tat sehr erfreut, faßte mich unter dem Arm, fragte mich, wie es mir gehe, wie lange ich schon in Wien sei – und so weiter. Meine neueste Dichtung habe er gelesen, sich aber leider mit dem Sujet nicht befreunden können; jedenfalls sollte ich mehr – viel mehr schreiben. Dann kam er auf die neuen Museen zu sprechen, welche er in der Hauptsache für ganz verfehlt erklärte – und schloß endlich damit, daß er hier Rafaels Madonna im Grünen en miniature kopieren lasse, und zwar von einem Aquarellisten, der in dieser Hinsicht eine ganz neue Methode erfunden habe. Er führte mich auch zu dem betreffenden Künstler, einem schon sehr bejahrten Herrn, der, eine eigentümlich konstruierte Brille auf der Nase, ruhig hinter seiner Tafel saß. Die fast vollendete Arbeit nahm sich in der Tat sehr schön und erfreulich aus; der [267] Mäcen lobte sie auch, hielt jedoch mit wohlwollenden Ausstellungen keineswegs zurück. Ganz unerträglich jedoch benahm er sich einem jüngeren Maler gegenüber, welcher, wie sich herausstellte, Morettos Santa Justina im Auftrage des Münchener Grafen Schack kopierte. Nicht genug, daß er dicht hinter den emsig Arbeitenden trat und, bald das Original, bald die Kopie betrachtend, vor allen Anwesenden mißbilligend den Kopf schüttelte: er wies auch mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Fehler hin, welche seiner Meinung nach bei der Nachbildung begangen wurden, so daß der Künstler endlich sich unwillig halb erhob und den unberufenen Kritiker mit zornfunkelnden Augen herausfordernd ansah.

Ich hielt es nicht länger aus und wollte, mich empfehlend, die Galerie verlassen, die mir nun doch schon verleidet war.

»Warten Sie, ich gehe gleich mit Ihnen«, sagte er und hängte sich wieder an meinen Arm.

Er hatte unten einen Einspänner stehen und bot mir einen Platz an. Ich wollte ablehnen; aber er nötigte mich einzusteigen. »Fahren Sie wenigstens ein Stück Weges mit; warum wollen Sie denn die lange Heugasse zu Fuß zurücklegen?«

Als wir in dem engen Gefährt saßen, fragte er mich, wohin ich denn eigentlich wollte. Ich antwortete, daß ich jetzt essen gehen würde. Wohin? Er speise in der Stadt Frankfurt, ich solle mitkommen. Nein, das sei mir zu entlegen, ich wolle überhaupt nicht nach der Stadt. Wohin ich mich also begeben würde? Ich nannte ein in der Nähe befindliches Hotel, das mir gerade einfiel. »Hotel Viktoria? Schön, ich kann auch dort speisen und leiste Ihnen Gesellschaft.« Er rief dem Kutscher zu, nach dem bezeichneten Orte zu fahren.

Da es inzwischen ein wenig geregnet hatte und sich der Tag überhaupt empfindlich kühl anließ, so vermieden wir, uns in den schönen Garten zu setzen, der das Hotel auszeichnet, und begaben uns in den Speisesaal, der, wie meistens um diese Stunde, ganz unbesucht war. Wir bestellten unser Essen, das [268] ich meinerseits in der aufgezwungenen Gesellschaft mit verbissenem Ingrimm hinunterwürgte.

Man hatte uns schon den Kaffee gebracht, als plötzlich draußen im Garten ein auffallend vornehmes Paar erschien: ein Herr und eine Dame, in welch ersterem ich sofort Röber erkannte. Die beiden schienen unter sich uneins, ob sie im Freien bleiben oder den Saal aufsuchen sollten. Endlich gab die Dame kurzweg den Ausschlag, indem sie sich rasch an einem kleinen Tische niederließ, der, von einigen Oleanderstöcken umgeben, ziemlich geschützt in der Nähe der Saalfenster stand.

Mein Begleiter hatte die Ankömmlinge ebenfalls wahrgenommen und rief: »Oho! Wie kommen die daher? Gewiß nur, weil sie anderswo fürchten müßten, gesehen zu werden.«

»Kennen Sie die Leute?« fragte ich hinausblickend. Wir saßen an der Rückwand des nicht sehr breiten Saales in einer Art Nische, wo man uns nicht leicht wahrnehmen konnte.

»Ob ich sie kenne!« erwiderte er, sich behaglich zurücklehnend. »Das ist ja dieser Röber, der in letzter Zeit so viel Geld macht.«

»Ich glaube, ich bin einmal irgendwo flüchtig mit ihm zusammengetroffen. Und ist die Dame seine Frau?«

»Seine Geliebte. Die gewesene Frau eines Börsensensals, der sich ihretwegen erschossen hat. Eine Jüdin. Sie war einmal unvergleichlich schön, wie man noch jetzt bemerken kann.«

Ihre Schönheit war mir allerdings sofort aufgefallen, und gerade in diesem Augenblick zeigte sie mit einer Kopfwendung ihr ungemein interessantes Profil: edelste, orientalische Züge, fast blutlos bleich; aus dem kleinen weißen Kapotehütchen, das sie trug, drängte sich rückwärts, in kaum zu bändigender Fülle, ein Wust von glanzlosen dunkelschwarzen Haaren hervor.

»Eine höchst gefährliche Person«, fuhr mein Nachbar fort. »Herzlos, mit einem kalten, messerscharfen Verstande. Dabei [269] bizarr, phantastisch, abenteuerlich. Eine unmögliche Zusammenstellung, werden Sie sagen – und doch ist es so.«

»Sie scheinen sehr genau unterrichtet zu sein.«

»Mein Gott, ich verkehre ja mit aller Welt und habe sie schon gekannt, da sie noch ein junges Mädchen war. Bereits damals zeigte sich, was sie werden würde: ein Irrlicht, das nicht zu haschen, ein Mühlstein, der nicht abzuschütteln ist. Sie hätte inzwischen schon einen Fürsten B ... heiraten sollen, und nur durch die größten Geldopfer von seiten der Familie ist die Sache rückgängig geworden.«

»Sie besitzt also Vermögen?«

Er lachte laut auf. »Vermögen? Schulden! Denn es ist nicht anzunehmen, daß ihr neuer Verehrer diese vollständig gezahlt hat. Sie ist nämlich eine notorische Verschwenderin – und zwar in einer Art und Weise, die eigentlich schon ans Wahnwitzige streift. Das pflegt immer der Fall zu sein, wenn der semitische Geist einmal ins Gegenteil umschlägt. In ihrer Hand würden Millionen zerrinnen. Was sie jetzt Herrn Röber kosten mag, läßt sich gar nicht beurteilen.«

»Aber ist er denn selbst so ungewöhnlich reich,« fragte ich, »daß er –«

»Reich! Er hat mit Lieferungen in die unteren Donauländer reichlichen Gewinn erzielt. Seit einiger Zeit operiert er mit einem gewissen Malinsky, einem wahren Gauner, an der Börse. Bis jetzt allerdings mit fabelhaftem Glücke. Wie lange es noch so fortgehen wird, ist die Frage. Er soll übrigens auch noch eine alte Geliebte in seiner Villa in Hietzing bei sich haben. Eine Art Schriftstellerin. – Wissen Sie davon nichts?« fragte er plötzlich argwöhnisch.

»Nein«, erwiderte ich trocken und machte Anstalten, meine Zeche zu begleichen. Denn ich glaubte zu bemerken, daß man draußen, während zwei Kellner mit unterwürfiger Dienstbeflissenheit ein ausgesuchtes Diner zu servieren begannen, auf uns aufmerksam geworden war.

[270] »Sie wollen schon gehen?« fragte mein Begleiter.

»Ja; ich muß nach Hause. Ich habe noch allerlei zu ordnen und zu packen, denn ich reise morgen von hier ab.«

Ich hatte gefürchtet, er würde sich mir wieder anschließen, vielleicht gar in meiner Wohnung eine zweite Zigarre rauchen wollen. Aber er regte sich nicht und sah mich ganz gleichgültig an.

»So? Sie reisen morgen?« sagte er gedehnt. »Nun, dann Gott befohlen! Ich bleibe noch ein wenig. Es macht mir Vergnügen, das Pärchen da draußen zu beobachten. Es sitzt sich hier wie in einer Loge.«

Wir reichten einander flüchtig die Hände, und ich entfernte mich, nachdem ich noch einen Blick auf Röber und seine neue Geliebte geworfen hatte, welche eben bemüht war, mit einem kurzen Messer, das sie in der beringten Hand hielt, eine Krebsschere zu öffnen.

Noch den ganzen Abend beschäftigte dieses unvermutete Zusammentreffen meine Gedanken, und als ich am nächsten Morgen, bei strömendem Regen, im Eisenbahnzuge durch die melancholischen Praterauen fuhr, da kam auch am Fuße des Kahlen- und Leopoldsberges für einen Augenblick der stattliche Vorort in Sicht, wo sich für die schöne Frau Stadler der Schicksalsknoten geschürzt hatte. »Wie wird es enden?« dachte ich, während jetzt der Zug mit beschleunigtem Laufe und schrillem Pfeifen in die weite, trostlose Ebene hineindampfte ......


* *

*


Es endete nur zu bald – und traurig. Was ich darüber zufällig und absichtlich in Erfahrung gebracht, kann hier in Kürze erzählt werden.

Das Glück war Röber nicht treu geblieben. Er verlor, verlor alles, was er gewonnen – und noch mehr. Aber er hatte, um sich aufrecht zu erhalten, in letzter Zeit auch nach anvertrauten Geldern gegriffen: drei namhafte Beträge waren [271] sofort zu ersetzen, wofern er nicht den Gerichten verfallen wollte. Woher aber die nötige Summe nehmen? Elsa brachte sie zustande: sie ging – ob nun gezwungen, oder aus eigenem Antriebe – Conimor darum an. Und dieser erfüllte ihr Begehren. Er hatte gerade die Nacht zuvor im Wienerklub an einen hohen Aristokraten zweimal hunderttausend Gulden im Spiel verloren; was lag daran, wenn Papa noch ein Sümmchen darauf legte, das doch kaum zur Hälfte jenes Verlustes hinanreichte? Er konnte es ja wieder hereinbringen. Elsa erhielt also das Geld und gab es Röber. Dieser nahm es – und verschwand, ohne seine Verpflichtungen zu erfüllen. Mit ihm die neue Geliebte. Es mußte alles von langer Hand vorbereitet gewesen sein; denn sie waren spurlos entkommen. Wie man annahm, nach Amerika; und in der Tat liefen zwei Jahre später von dorther Briefe und Geldsendungen an die Verlusttragenden ein.

Was aber hätte die arme Verlassene damals tun sollen? Die Villa war mit Beschlag belegt worden; ihr selbst standen peinliche Vernehmungen – vielleicht noch Ärgeres bevor, da man anfänglich nicht umhin konnte, sie als die Mitwisserin jener sträflichen Vorgänge anzusehen. Sie nahm also zu dem Mittel ihre Zuflucht, das sie schon lange vorher zur Beschwichtigung körperlicher Schmerzen in Anwendung gebracht und welches sie jetzt rasch und mit einem Mal von allen Leiden befreien sollte. Sie vergiftete sich mit Morphin.

Und was würde Frauenlob gesagt haben, wenn er diesen vollwichtigen Triumph seiner Vorhersagungen noch erlebt hätte?! Aber er war vor Elsa zu Grabe gegangen. Ein Lungenübel, zu dem er seit jeher veranlagt gewesen, hatte sich in Berlin, wo er kümmerliche Tage fristete, rasch entwickelt und ihn dahingerafft, ehe ihm noch die viel gepriesene Heilkraft der Kochschen Lymphe eine trügerische Hoffnung hätte gewähren können.

Der annotierte Datenbestand der Digitalen Bibliothek inklusive Metadaten sowie davon einzeln zugängliche Teile sind eine Abwandlung des Datenbestandes von www.editura.de durch TextGrid und werden unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz (by-Nennung TextGrid, www.editura.de) veröffentlicht. Die Lizenz bezieht sich nicht auf die der Annotation zu Grunde liegenden allgemeinfreien Texte (Siehe auch Punkt 2 der Lizenzbestimmungen).

Lizenzvertrag

Eine vereinfachte Zusammenfassung des rechtsverbindlichen Lizenzvertrages in allgemeinverständlicher Sprache

Hinweise zur Lizenz und zur Digitalen Bibliothek


Holder of rights
TextGrid

Citation Suggestion for this Object
TextGrid Repository (2012). Saar, Ferdinand von. Erzählungen. Novellen aus Österreich. 3. Teil. Geschichte eines Wienerkindes. Geschichte eines Wienerkindes. Digitale Bibliothek. TextGrid. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0004-AFA9-2