z.

Zu Ende des vorigen Jahrhunderts wollten die Burhaver sich eine neue Glocke anschaffen und ließen den Glockengießer zu sich kommen, damit sie gewiß wären, daß auch alles Silber, welches fromme Geber herbeitragen möchten, in die Glocke hineinkomme. Der Glockengießer richtete seine Werkstatt auf dem Kirchhofe ein und warf alles Metall, auch noch den letzten silbernen Löffel, den eine arme Frau brachte, in den Kessel. Jetzt wurde das Feuer angemacht, aber so hart war das Glockengut, vier Wochen mußte das Feuer lichterloh brennen, bis das Metall geschmolzen war. Nun sollte der Guß beginnen. Ganz Burhave war auf dem Kirchhofe versammelt, um Zeuge des wichtigen Ereignisses zu sein. Nach den üblichen Vorbereitungen rief der Glockengießer mit lauter Stimme: »Jetzt!« Alle entblößten die Häupter – aber das geschmolzene Metall wollte nicht fließen. Da sah der Glockengießer, der ein großer Mann war, sich nach allen Seiten um, und als er die ganze zahlreiche Versammlung mit scharfem Auge gemustert hatte, sprach er mit gehobener Stimme: »Dar sünd twee Oogen to väl!« Dann trat er schweigend an den Herd, zog zwei brennende Holzscheite heraus und schlug damit kräftig an den Kessel. Siehe, da fiel ganz hinten auf dem Kirchhofe ein Mann rücklings über in die Graft, und nun floß das Metall, und die Glocke war nachher eben so schön anzusehen, wie ihr Ton tadellos war. Jenen Mann hat niemand mehr gesehen, auch hat niemand sagen können, woher er gekommen war.

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TextGrid Repository (2012). Strackerjan, Ludwig. Sagen. Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. Erster Band. Erstes Buch. Achter Abschnitt. A. Einzelne Teufelsbündnisse. 204. [Wenn jemand in schwerer Geld- oder Liebesnot ist, aus Eigennutz]. z. [Zu Ende des vorigen Jahrhunderts wollten die Burhaver sich eine]. z. [Zu Ende des vorigen Jahrhunderts wollten die Burhaver sich eine]. Digitale Bibliothek. TextGrid. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0005-2812-7