[229] Des großen Gustav-Adolfen etc. ebenbild, zu glorwürdigster und unvergänglicher gedechtnus seines so schnellen als hellen lebenslaufs aufgerichtet

1633.


Ach! kont ich meine stim dem dunder gleich erheben,
daß sie die weite welt erschreckend möcht erbeben!
wolt ich ersteigend bald, zugleich trost- und ruhlos,
den aller höchsten berg, zu alles geists verwundern
mit überlauter macht aus meiner brust ausdundern:
der groß Gustav ist todt! todt ist Gustav der groß!
Wan also meine red und klag zu aller frommen
gehör und herz, mit kraft durchdringend, solten kommen,
möcht ihrer seufzen wind und ihrer thränen meer
ein solche ungestüm bald durchaus verursachen
und durch ein zweite flut den umkreis sinken machen,
erdränkend auf einmal uns und der feinden heer.
Das aber kan nicht sein: auch ist es nicht von nöten;
dan dieser held nicht todt; kein mensch kont ihn ja tödten;
die götter sterben nicht. wir, wir selbs seind schier todt,
wir seind die ursach selbs, daß wir, nicht er, verblichen,
daß er, unwürsch, von uns unwürdigen gewichen,
verlassend uns trostlos in wolverdienter not.
In wolverdienter not und tödtlichem verzagen;
wan diesen abschied wir schon ewiglich beklagen,
so ist doch unsre klag so schlecht, als sie gerecht:
dan als den feind er vor und dan den tod bezwungen,
hat er sich wider stracks dem himmel zu geschwungen,
von dannen er nur kam, zu schützen unser recht.
Ach! wär ich dieses leids empfindlichkeit zu singen
und aller welt gehör gebührlich fürzubringen,
als jetzund ich gunstarm, nicht weniger kunstreich!
so solt der schwere schmerz sich nicht in mir verschweigen,
sondern so zierlich sich durch mein gesang bezeugen
daß unser leid, verlust und klag einander gleich.
Ach! aber ach! wie schwer! wie schwer und unergründlich
ist unser schmerz! ein schmerz, ihm gleich unüberwindlich!
[230]
ein schmerz verstummend uns, erwürgend unsre klag!
ein schmerz, erweisend sich nicht minder unerträglich,
dan unser verlust selbs ist kläglich und unsäglich,
daß, wie groß schon das leid, noch größer doch die plag.
Ein schlechtes leid kan sich mit schönen worten zieren
und seine klag mit kunst und lieblichkeit ausführen,
indem ein herzleid uns verstummet ganz und gar:
der folter pein niemals des menschen mund bereichet,
je größer ja sein schmerz, je mehr die red ihm weichet,
je schöner seine wort, je weniger sie wahr.
Dises erfahr ich wol und mach es gnug erscheinen,
wan mein herz, dises leid mit der welt zu beweinen
sich sehnend, dichten will ein wertes traurgesang,
so findet meine seel den mund alsbald verstummen,
und seufzen für die stim, für die wort thränen kommen,
und wird des leids ursprung des klagens untergang.
Bring aber ich was für von unserm schweren leiden,
so scheinet es allein entworfen mit der kreiden
und ist nicht unsrer lieb und seines namens wert;
zwar kan kein kiel der welt so eigentlich beschreiben
sein allbekantes lob, das so wehrhaft mög bleiben
als was geschriben er mit seinem eignen schwert.
Sein schwert, das ihm der höchst zugleich mit seinem leben
und dan hernach die kron und scepter auch gegeben,
gebrauchet er stets recht für die gerechtigkeit,
bezeugend alsobald in seiner frischen jugend
daß er der lastern straf, daß er der lohn der tugend,
der tyrannei abbruch, der schirm der redlichkeit.
Dan als der himmel nun der christenheit unwesen,
der frommen not und angst, der zorn und zwang der bösen
und der abgötterei stolz und gewalt erkant:
hat er, freiheit und recht uns wider zu verleihen,
des höchsten wort und volk vom untergang zu freien
und der tyrannen wut zu zäumen ihn gesandt.
Daher alsbald Gustav, ganz göttlich und vollkommen
von der erretter blut zu uns herabgekommen,
[231]
hat er gelehret die, die ihren stutz und trutz,
daß größer sie dadurch, mit falschem ruhm anstreichen,
man müß dem größern nicht, sondern dem bessern weichen,
weil der groß, welcher gut und aller guten schutz.
Hat schon ein stolzer feind, ihm ganz jung vorzukommen
geflissen, eine stadt betrüglich weggenommen,
bracht ihm doch ihr gewin vil mehr verlust und schand;
dan dieser held dem feind den küfer bald zuschmissen
und so herzhaft als jung die werte beut gerissen
mit mächtigerer faust aus des feinds starken hand.
Dan ja in seinem Ost befand man ihn so reichlich
gezieret und sein wert so hoch und unvergleichlich
daß ihm an herz und hand kein könig jemals gleich,
und must ein jeder, ihn nur sehend, bald gestehen
daß ihm an geists, leibs, glücks verehrungen vorgehen
kont weder held noch got, wie immer weis, stark, reich.
Gestehen? ja gar gern, und ihn doch nicht anschauen,
dan vil monarchen ja nicht adler, sonder pfauen,
und er, der tugend sonn, verblindet ihr gesicht;
ab seiner weisheit blitz, ab seinen dunderstreichen
sah man die fürsten selbs (zwar weit ab, doch) verbleichen,
weil von der erden sie, er von der erden nicht.
Auch machten bald sein lob die stolze Moscowiter
(mit ihrer höchsten schand und schaden schlechte hüter,
zu zeugnus seines werts) dem weiten umkreis kund;
hat seine dapferkeit sie schon gemacht verstummen
und ihnen der höchst selbs die sprach und stim benommen,
verstopfend ihnen gar den rachen, hals und mund.
Kont schon die kalte kost nicht ihrem schwachen magen,
der dises must, doch nichts verdäuen wolt, behagen,
so blieb ihr ekel doch und ihr unlust lang schwer,
bis sie nach langer müh, nach ungesundem dehnen,
nach schwächendem durchlauf, nach schläferigem gähnen
vermehrten ihren fehl und seiner thaten ehr.
Die Danziger hernach, durch den stolz ihrer schiffen
verblindet, haben sich auch wider ihn vergriffen
[232]
und, greifend ihn nicht an, die finger doch verbrant;
daher bald weiser sie (ein großer ruhm auf erden,
mit schaden zwar, doch bald, gewitziget zu werden)
ihn als des höchsten knecht erkant und stets bekant.
Gleichwie nu seine macht mit ihrer reu die Reußen,
also empfunden auch zu ihrem preis die Preußen
die wirkung seiner gnad und seinen schutz zumal;
dan allzeit sein gebrauch, der demut zu verschonen
und mit gerechter straf den hochmut zu belohnen,
als jener sonnenglanz und diser dunderstral.
Und dises helden prob und lob zu widerholen
befinden billich sich mit uns vereint die Polen,
als die gelehret er, daß nur ihr Sig im mund,
der seinig in der faust; daß mehr dan alle alten
er kont jung, weis und stark mit rat und that verwalten,
und daß nichts seinem geist unmöglich und unkund.
Nu wolt er sich schon gern mit so vil lorberkränzen,
mit seines alten reichs erweitert neuen gränzen,
mit seiner feinden forcht, mit seiner freinden lieb,
mit aller frommen lob (ganz weis und groß) vernügen
und sig- und lobreich sich den himmeln zu verfügen,
wär nicht um und umher der himmel noch sehr trüb.
Dan indem diser held sein volk in ruh zu setzen,
mit reichtum, lehr, gesatz und ordnung zu ergetzen,
und was sunst noch zu thun, sorgfaltiglich bedacht;
ihm, der wol schreiben kont, was andre walten solten,
ihm, der verwaltet stets, was andre schreiben wolten,
ward viler freinden klag bald zu gehör gebracht.
»Eh die zeitlose kron dir noch zu theil kan werden,
muß dein haupt, herz und schwert dein ganzes ampt auf erden
vollenden, großer held!« ruf ihm der himmel zu;
daher (dan sich ja nicht die tugend kan verweilen)
wolt er mit aller macht den freinden zu hilf eilen,
erwartend anderstwa (hie nichts, dan unruh) ruh.
Vil werk und wenig zeit ihm nu zugleich obligen,
dazu er fertig auch. ankommen, sehen, sigen
ist nur ein ding mit ihm, mit ihm, des höchsten knecht,
und was sunst kein mensch kont, das muß er stracks vollenden,
[233]
der welt ehr kan nicht ihn als andre von got wenden,
sie kriegend nur für ihr, er für des höchsten recht.
Wer aber hat die kunst, gebührlich zu bezeugen,
wer aber, wer kan doch undankbarlich verschweigen
so viler tugenden, so viler thaten wert?
die unnachthunlich man in ihm allzeit ereuget,
die unbegreiflich er der welt allein erzeiget
in seinem kurzen lauf mit seinem rat und schwert.
Zwar die nachkommenschaft, lesend was er verrichtet,
mag uns bezüchtigen, als ob wir es erdichtet,
wan schon zugleich sein lob, als ihr glaub, vil zu klim,
dan seine werk und müh, die niemand sunst erfündlich,
seind zahllos, übergroß, nicht säglich, nicht ergründlich
gleich der gotlosen list und unsrer feinden grim.
Mir, nein, dem besten kopf zu schreiben und zu lesen,
der jemal in der welt wird sein und schon gewesen,
ist zu kurz alle kunst der federn und des munds.
je mehr man seinem thun und wesen recht nachdenket,
je mehr ruhm findet man und je mehr reichtum schenket
die tiefin seines leibs und geists goldreichen grunds.
Sein angesicht allein erwies mehr süßer wunder,
mehr gnad und mayestet, dan des gots, dem der dunder
längst zugeeignet war, und sein lehrreiche stirn
war einer tafel gleich, die uns gab zu verstehen,
wie man die dapferkeit und weisheit selbs möcht sehen
in seines adlersaugs klardoppeltem gestirn.
Sein haupt, der tugend thron, da sie stets triumfieret,
mit seinem reichen haar hat Phoebus selbs gezieret,
so hat sein antlitz mehr dan menschliche gewalt:
auch höher bei dem haupt war er, dan die soldaten,
er übertraf an mut all andre potentaten,
kurz: götlich war sein gang, stand, red, statur, gestalt.
Zwar seinen heldenleib und wolgestalte glider,
daß man sein controfet nach seinem hintritt wider
mit wunder sehen möcht, vermöcht des malers kunst
vil ähnlicher villeicht, als eine schrift, verfassen
und der nachkommenschaft, als ein kunststück, verlassen,
thät er, wie allen gut, zu sitzen, ihm die gunst.
[234]
Er aber, gottes volk zu retten und zu schützen,
allein zu uns gesandt, hat nicht mehr zeit, zu sitzen,
mehr nicht zu seiner speis, mehr nicht zu seinem schlaf,
dan ein getreuer knecht auf der schiltwacht zu stehen,
ein steurman in dem sturm den sternen nachzusehen,
ein hirt von wölfen stets zu freien seine schaf.
Und dan den bessern theil, mit dem nichts von der erden
jemal vermischet war; als seinen geist, geberden,
gotsforcht, leutseligkeit, sinnreichen mut, verstand,
fleiß, fertigkeit und müh, die aller sprachen lehren
und künsten wissenschaft ihn leichtlich kont gewehren,
scharfsinniges gericht und niemals müde hand.
All solche seelenzier muß unbeschriben bleiben,
dan sie kein mensch der welt kan malen und beschreiben,
so daß allhie umsunst malkunst und poetrei
des leibs form mit der farb kan jene nicht befehlen,
des geists form mit der schrift kan dise nicht vermählen,
daher dan solcher müh und ruhm sie beede frei.
Nichts desto weniger, ob sich schon nirgend findet
ein pensel so subtil, ein kiel so wolgegründet,
daß seiner farben zier, daß seiner dinten lehr
möcht dises helden form und thun für augen legen,
soll pensel, feder, mund und herz all ihr vermögen
anwenden dankbarlich zu seiner steten ehr.
Er soll und muß allein (er allein ganz vollkommen)
uns allzeit aus dem mund, aus dem mut niemal kommen;
endlos soll sein in uns sein lob und unser leid.
leid? nein. dan wolt ihn schon der himmel uns nur weisen,
so weiset er uns auch, daß er nicht gnug zu preisen,
und daß nach got allein er unser trost, hilf, freud.
Indem nu post auf post ihm fürbracht schwere klagen
von grober schinderei, beschwerungen, auflagen
gotslästerung, notzucht, schandthaten, marter, qual,
einäschern, mörden, spot (schmerz über alle schmerzen!)
gieng solches alles ihm, wie billich, tief zu herzen,
als ob er und sein reich in selbiger drangsal.
Die not der nachbarschaft in Mechelburg und Pommern
erlaubet ihm nicht mehr zu schlafen, noch zu schlummern,
und er erkennet selbs, daß nunmehr seine zeit,
des adlers krummen flug und raub nicht mehr zu leiden,
[235]
sondern die flügel ihm und klauen zu beschneiden,
die er, voll stolz, geiz, wut, ausstrecket vil zu weit.
Als nu sein ohr und mut, ganz mild, das werk erfassen,
hat er, als der sich stets auf got allein verlassen,
mit wahrem löwenmut, from, forchtfrei, stark und klug,
zu strafen alle die, die das Teutschland beflecket,
in unerhörter eil das meer und land bedecket
mit sigendem kriegsheer und fliegendem meerzug.
Das meer sah man da bald mit Schwedens schatz beladen,
und zugleich still und glat, dem meerzug nicht zu schaden,
als welchem lieb und wert des königs gegenwart:
der wind enthielt sich auch von allem sturm und rasen,
erfreuend sich allein die segel aufzublasen,
begünstigend nach wunsch des helden überfahrt.
Das wasser war schier ganz von dem meerzeug verborgen,
als auf dem hauptschif hoch der held voll treu und sorgen
betrachtend hin und her des teutschen reichs zwietracht,
sah, als es ihm fürkam, drei beltische Sirenen,
die mit augsteinen reich die haar und arm beschönen
und die ihr lieb und leid ihm also fürgebracht:
»Demnach, o großer held, der höchst dich nunmehr schicket,
daß Teutschland werd durch dich errettet und erquicket,
so fahr nu glücklich fort ohn forcht, leid und verdruß,
und wiß, daß du darzu geboren und erkoren,
zu widertrösten die, die sunst ohn dich verloren,
ob dir zuwider schon vil not, list, hindernus.
Durch vil müh und gefahr must du den krieg forttreiben,
doch soll kein feind für dir sighaft noch standhaft bleiben,
zu deinem dienst und lob wird alles sein bereit.
so fahr nu fort mit got und mit sigreichen wafen,
deinem beruf gemäß die tyrannei zu strafen,
vertrauend, wie du thust, auf gottes hilf und gleit.
Wie der verruchte feind ist aller guten spötter,
also, du gottes volks gesegneter erretter,
zeuh fort und greif frisch an mit lust das große werk!
schon förchten sich des volks verkehrer und bethörer,
schon zittert selbs des reichs vermehrer, nein verstörer,
für deines eifers kraft, fleiß, dapferkeit und sterk.
[236]
Fahr fort, o großer held, die frommen zu ergetzen,
die schon ihr aug aus freud, wie wir für leid es netzen,
ach! daß sie, wie wir dir, wie beeden du, getreu!
dan du, wie Herkules, nachdem dein lauf vollendet,
solt werden dieser welt, die dein nicht wert, entwendet,
so hoch wird sein das werk zu machen Teutschland frei.«
Hiemit der morgenröt gold- und leibfarbe flügel
entdeckten die mastbäum und nahenden lands hügel,
und der wind, legend sich, bracht das schif an das land,
aus welchem, als der held auf das gestad gesprungen,
hat knüend er zu dank mit eiferiger zungen
erhaben sein gebet, sein herz, gesicht und hand:
»O höchster got! o herr des himmels, meers und erden,
dem unser sin und herz nicht kan verborgen werden,
herr, dessen eigen ist der Nord, Sud, West und Ost!
gib, daß mit deiner hilf, wa ich mich hin zu wenden,
ich mög all meine werk anfangen und vollenden
zu deines namens ehr und deiner kirchen trost!«
Hernach hat ohn verzug er alles angerichtet
was immer zu dem krieg des menschen witz erdichtet,
ja was zuvor noch nicht erfunden, noch erkant;
in allem seine weis war andern unerdenklich,
sein fleiß, fürsorg und müh war andern unerschwenklich,
auch bleibet ewiglich, der ihm gleich, ungenant.
Die art, fürsichtigkeit, belägrung, ordnung, wachten,
verschanzung, zug, anfall, scharmützel, stürm und schlachten,
besatzung, kundschaft, rat, gehorsam, lohn und ehr,
der füchs und löwen kunst, die allein diesem helden
verständlich und bewust, alhie allein zu melden
ist über alle werk ein werk zu hoch und schwer.
Zwar weiß die weite welt, zwar wissen die soldaten
die unnachthunlich groß, ungläublich weise thaten,
die übermenschlich er so bald und schnell verbracht:
du, ganzes teutsche reich, kanst nimmermehr vergessen,
wie er, stets sigreich, dich, dir zu trost, durchgemessen,
wie überwindlich stracks dein feind für seiner macht.
Das machen offenbar vil fremd und welsche krieger,
des adlers zorns geschmeiß, verherger und betrüger,
[237]
die (sterbend) für dein gold gebissen deinen grund:
was schuß Perusi hat, was Capua für kappen,
was Savelli für stöß von Schweden, Finnen, Lappen,
mit ihnen machet es der Quade Knud selbs kund.
In Wolgast, Stargart, Garz, Loitz, Colberg, Greifenhagen,
Rubnitz und anderstwa den feind zu finden, schlagen,
ja zu verjagen gar, war nur ein werk mit ihm:
zu Stralsund als ein stral, zu Landsberg und zu Werben
bezwang sein schwert den feind zu fliehen oder sterben,
wan seine bit um gnad nicht stillet seinen grim.
Zu Frankfurt kont der feind die Oder nicht aussaufen,
darum erdrank ein theil; ein theil in großem haufen
das wasser färbte ganz mit seinem groben blut.
Gripswald, Dammin, Landsberg, Schwerin wird eingenommen,
mit vilen stätten mehr, die all, glückselig! kommen
unwillig oder gern in dises helden hut.
Was aber solt ich hie vil stät und schlößer nennen,
wan ganze länder ihn erkennen und bekennen,
daß er, nach got, ihr heil, erlöser und patron,
dan gar bald hat sein rat und that (die stets gedeihet)
ganz Rügen, Pommerland, Mark, Mechelburg gefreiet
von mehrer tyrannei, gewalt, not, jammer, hohn.
Jedoch muß ewiglich in der gedächtnus bleiben
was kein mund, keine hand kan sagen, kan beschreiben
die grausamkeit des feinds zu Penkum und Paßwalk,
wie auch der alte fuchs, der Tilly, wolt vertilgen
die edle Jungfrauburg und ihre ros und gilgen,
dafür er nunmehr doch bezahlet mit dem balg.
Dan obwol unser held ihn oft zuvor geschlagen,
wolt doch der fuchs die schanz noch einmal wieder wagen,
da dan bei Leipzig er empfieng ein solchen streich,
daß er darauf mehr nicht (weil seiner harten schwarten
der streich kam vil zu tief) wolt eines andern warten,
sondern floh stets für ihm, ganz zittrend, schwach und bleich.
Doch kont des fuchsen volk so leichtlich nicht wegfliehen,
weil ihnen des solds rest gebührlich einzuziehen
in eigner hand gebracht des höchsten held und knecht;
[238]
sondern sie, die nur schnell zu rauben, schwören, balgen
empfiengen ihren lohn an, under, um den galgen,
daß also noch der galg nicht gar verlor sein recht.
Wie vil raubvögel doch, durch Teutschlands Aas betrogen,
die nach dem raub zu lang hin und her umgeflogen,
erdappet da zumal des schwerts und des tods schlag!
und wie vil wilde thier, die teufelisch gehauset,
hat der löw von dem Nord bezwungen und zerzauset
in dieser schnellen jagd und schweren niderlag!
Doch seind, wie auch der fuchs, zu diesem mal entrunnen,
die eine galgenfrist, und nicht vil mehr, gewunnen,
dan wie ihr leben stets ohn alle menschlichkeit:
also verfolget er sie über berg und schrofen,
und Erfurt, Wittemberg, Würzburg und Königshofen
bezeugen ewiglich des helden dapferkeit.
Vil vestungen und stät, ja ein land nach dem andern
begehren ihr gesatz von disem Alexandern;
er aber tröstet sie mit freiheit, fried und freud;
ganz Meissen, Thüringen, ganz Sachsen, Hessen, Franken,
Pfalz, Schwaben, Schlesien und Elsaß ihm all danken,
daß sie durch ihn nun frei von dienstbarkeit und leid.
Daher, weil sein gesicht kont alle welt enttrüben,
sah man ihn alle welt hochachten, ehren, lieben,
als welchem an verdienst kein held, kein Caesar gleich;
dan kein mensch in der welt kont lust und wollust meiden,
noch hunger, durst, unruh und unglück standhaft leiden,
wie der gleichlose held an aller tugend reich.
Mit frisch forchtfreiem mut zu allem sich bereiten,
im höchsten glück und sig die segel nicht ausspreiten,
nicht ändern sein gesicht, noch brechen seine wort,
dem wollust wie dem leid beharrlich widerstehen,
sich stets ohn falsch, ohn fehl, ja got gleich lassen sehen,
als der gotlosen feind und aller guten hort;
Mit schlechtem brot und drank gesättiget zu werden,
für sein drinkglas den helm, für sein ruhbet die erden,
für pfulen einen stein, ja auch wol schnee und eis,
für sein bad einen fluß, zaglos, zu brauchen pflegen,
[239]
und sein werk setzen fort in hitz, frost oder regen
und ihm selbs stets geleich, war allzeit seine weis.
Er, aller tugend schutz und aller laster hasser,
empfieng nu billich hilf von dem luft, land und wasser,
die zumal ihm zu lieb und seinem feind zu haß,
daß seinem heer und zeug kein berg, kein weg beschwerlich,
daß seinem zug und troß kein wasser werd gefährlich,
ihm ebnen nu den weg und öfnen ihm den paß.
Das wird allzeit die Elb, Sprew, Weser, Embs bezeugen,
das wird niemal die Saal, noch die Donau verschweigen,
die sich entsatzten all ab seinem mut und glück;
die Mosel, Maas und Nid ein solches auch klar machen,
auch wird der feind nicht mehr ab und bei dem Lech lachen,
alda mit wunder er vollbracht ein heldenstück.
Dan er, der helden held und aller keisern könig,
gedenkend an gar nichts, das schlecht, leicht oder wenig,
vollendet solches werk ganz unvermehrlich groß:
kein unfall und gefahr kan ihm das herz bewegen,
kein feind kan ihm den paß versperren, noch verlegen,
je größer ist sein mut, je größer der anstoß.
Da hat der alte fuchs, der noch einmal wolt prangen,
mit seiner Bayernheerd nu seinen rest empfangen,
mit seines lobs verlust und seines spots gewin;
villeicht hät sein glückrad sich nicht so bald geneiget,
hät er dem löwen nicht mit flucht den weg gezeiget
und in das Bayerland schnurstracks geführet ihn.
Kanst du wol, Herkules, nicht sein in schweren sorgen,
wan so vil kot und mist in disem stall verborgen
und wan die hirten selbs ohn glauben, wahrheit, treu?
allein kan Regenspurg, Ulm, Hanau, Augsburg, Schwaben
ab deiner nachbarschaft und ankunft sich erlaben,
befindend sich durch dich von ihrem drangsal frei.
Was Ginßburg, Lauingen, Kirchberg und Gundelfingen,
Rain, Höchstat, Dillingen und München dir fürbringen,
ist lauter gleißnerei und falscher pfaffen fund;
auch dich seind sie nicht wert zu sehen noch zu hören,
weil sie nicht gottes worts, noch seines trosts begehren
der sie doch stürzen wird, wan es zeit, in den grund.
[240]
Wolan, held, sih dich um! dein tag ist schier verflossen,
und die, die deiner hilf, unwürdig zwar, genossen
vergessen wider got ihr eigen heil und schuld;
sie seind nicht mehr stark gnug dein und ihr glück zu tragen
sie därfen (torrecht) schon sich wider klagend fragen:
»wie? müssen wir dan nu geleben seiner huld?«
O stolze pfaffenlehr! o ihr gotlose thoren!
wan euch noch nicht bekant, verzaubert und verloren,
wie gleichlos sein verstand, wie sigreich stets sein schwert!
und ihr, die anderwerts des höchsten auch vergesset
und dises helden macht mehr, dan got selbs, zumesset,
seid beederseits zugleich noch mehrer straf wol wert.
Entzwischen thust du recht der freinden leid zu steuren,
den flug der wilden gäns, nachtraben, weiren, geiren
aus Lothringen, Welschland und Spanien auf raub
um den Rhein, Neckar, Main zu fliegen angereizet
und mit des adlers gunst dem land zu leid gebeizet,
verkürzend, sie für aaß zu sättigen mit staub.
Von solchem vogelfang kont frölich mit den Schweden
Meinz, Manheim, Creuzenach, Speyr, Bacharach wol reden:
doch alle länder, stät und plätz von des feinds schmach
errettet und die stürm, belägrungen und schlachten,
die er, sigreich, gewan, mag man allein betrachten,
doch kaum verkündigen durch die schrift oder sprach.
Wolan dan, held, bedenk, du hast noch nicht vernichtet
des adlers tyrannei, der wider dich aufrichtet
noch einen starken zug und schreckliche heersmacht:
er sendet einen man, krieg wider dich zu führen,
der alles wissen will und will, got gleich, regieren,
unwissend, daß sein fall sehr nah bei seinem pracht.
Nu dieser neu abgot, verhoffend seinen willen,
ernstlistig, wider dich und Teutschland zu erfüllen,
erfüllet schon das land durch seinen zug mit leid;
dan wa er immer kan land und leut nur anblicken,
da kan kein ruh, noch fried, land und leut mehr erquicken,
weil für ihm fliehen stets glaub, hofnung, lieb und freud.
Wie kühn sich nu der held von Münchenstat gewendet,
wie schnell er dieses mans sig und triumf geendet
[241]
das machen Donauwert und Nürnberg offenbar
und andre länder mehr, die ihn, die er geliebet,
daher er, ihren feind betrübend, sie enttrübet
und sie erlöset bald von forcht, angst und gefahr.
Freistätlin kan uns hier insonderheit vil sagen,
wie mutig dieser held den albern feind zu jagen,
bis endlich er mit zwang ihn zu dem stand gebracht:
da weil der feind nicht kont, daß ihm nicht möcht mislingen,
für seinen großen wahl stein gnug zusamen bringen
ward er genötiget zu einer offnen schlacht.
Da nam der held sein pferd, das er vor oft beschritten
und auf dem er sigreich in mancher schlacht gestritten,
ein pferd, recht kühn und stolz, daß der gotgleiche held
sein herr und herscher ist, der einig wert auf erden,
das nur von seiner hand solt geregieret werden,
wär sie nur seiner wert, wie ihrer er, die welt.
Der hengst mit dem gewicht des helden hoch geehret,
die ohren spitzend, stets den kopf hin und her kehret,
versilbert mit dem schaum das mundstück und gebiß,
bald scharret er den grund, bald darf er aus der nasen
mit winzlen überlaut ein dicken dampf ausblasen,
zugleich des kampfs und sigs begirig und gewiß.
»Gelobet sei der höchst, weil nu die stund fürhanden«,
sprach alsbald unser held, »der unsern feind mit schanden
und mit endloser ehr uns numehr krönen will!«
darauf hat er sein heer in ordnung bald gestellet,
fußvolk und reuterei gesöndert und gesellet,
befehlend, daß sein ampt ein jeder recht erfüll.
Also bereit, sein volk auf den feind anzuführen,
sah solches under ihm, als einem got, prachtieren,
wie es vor oft gethan, sein schön schwarzbraunes pferd.
auch sah der held sich selbs von dem heer, welches leben
und sterben für ihn will, mit freuden rund umgeben,
gleichwie ein lieber hirt von seiner lieben heerd.
»Gesegnet bist du, held, gesegnet wir soldaten,
die dienend under dir, theilhaftig deiner thaten«,
sang bald der ganze hauf mit einem mund und mut:
»kein glück und kein unglück hat wider dich vermögen
[242]
und nichts kan dein gemüt und angesicht bewegen,
umsunst ist wider dich des feinds gewalt, list, wut.
Gleichwie der amboß sich nicht förchtet für den streichen,
wie des meers wellen auch die felsen nicht erweichen,
also verändert dich kein ernst, gefahr, noch scherz;
wie die flüß in das meer sich ohn zunemen gießen,
wie aus dem meer die flüß auch ohn abnemen fließen,
also ist ihm selbs gleich allzeit dein heldenherz.
Wie oft hat unser feind, von dir stets überwunden,
mit spater scham und reu gefunden und empfunden,
daß dir zuwider sein war nicht ohn tods gefahr;
erkennend mit verdruß, daß dir nichts widerstehen
und ihm nichts helfen kont, dan fliehen oder flehen,
das erst zwar ungewiß, das ander allzeit wahr.
Wie oft, wan uns der feind, wan wir den feind erwecket,
hat, ohn brustrüstung, uns in höchster not bedecket
als unser schirm und schilt allein dein blose brust!
da dan dein scharfes schwert ein solche lehr geschriben
in unsrer feinde köpf, die ihnen bald vertriben,
mehr wider dich und uns zu kämpfen, allen lust.
Wie oft, wie oft ist doch, vermischend sich zusamen
des feinds verlust und spot mit deinem lob und namen,
indem von deinem schwert der feind schon blind, taub, stum,
in manchem bach von blut, aus des feinds leib vergossen,
dan in den nächsten fluß, dan in das meer geflossen
und mit des meers gerausch ganz um die welt herum!
Daher, dieweil dein herz, als aller tugend tempel,
dieweil dein haupt und faust ein spiegel und exempel
der tugend wahren kraft schon durch die ganze welt
was immer gut und recht bewehret und gelehret,
besorgen billich wir, daß du nicht recht geehret,
verlassend uns, nu mehr solt sein des himmels held.« –
»Gnug, ruf der held damal, mich und euch anzufechten
ist jetzund nicht die zeit! nun ist es zeit zu fechten,
so haltet euch nu wol, wie ich euch dan ermahn.
ich setz mein blut und leib für euch auf, liebe brüder,
darum so haltet euch allzumal und ein ieder
recht redlich nach gebühr. so wollen wir nu dran.
[243]
Got weiß, auch wisset ihr, daß ich nicht meinen nutzen,
sondern des höchsten ehr und kirchen zu beschützen
alhie such und verhoff, daß es auch euer mut,
und euer auch der sig; dan, werdet ihr nicht stehen,
ist es um die freiheit und gottes dienst geschehen;
wolan, erweiset euch von redlich dapferm blut.
Das walt der liebe got! got mit uns wie vor zeiten!
o Jesu, Jesu hilf, hilf Jesu mir heut streiten
zu deines namens ehr! steur unsrer feinden pracht.«
Also hat er sein volk anführend mehr ergetzet
und mitten in die feind, stets sigreich, selbs gesetzet,
da er bald manche that und seinen tag vollbracht.
Gleichwie wan ein sturmwind oder windsbraut entstehet
und hecken, bäum und thürn urplötzlich stracks umwehet
ein trauriges gewülk, ganz finster, schwarz und dick,
recht einem traurrock gleich, mit dunst, dampf, rauch erfüllet,
den tag, das firmament und die sonn selbs verhüllet,
verblindet das gesicht in einem augenblick:
Ein allgemeiner graus, geräusch, getös, getümmel,
als ob der höllen sitz wär nu mehr in dem himmel,
vermischet den abgrund, das erdreich und den luft;
aufspalten sich behend mit blitzen, schrecken, wunder
die wolken, und den grund erbebet bald der dunder
voll flammen, feuer, brunst erscheinet manche kluft;
Bald mancher dunderschlag, mit stralen ganz beladen,
durchstürmet das gewölk und land mit brunst und schaden
bald feurig ist die luft, bald finster um und um;
die wolken brechen sich, dan fallet ein schlagregen,
verhartet ganz in eis, der bald mit tausend schlägen
zerschmettert frucht und volk, daß alles lahm und krum:
Also, und greulicher mit krachen, schallen, knallen
seind bald die beede heer einander angefallen
da war die luft alsbald voll feuer, rauch und dampf;
der grund errüttet sich von bölern und cartaunen,
darab die thier und leut erstummen und erstaunen,
als ob der himmel selbst und erdreich einen kampf.
[244]
Damal hat unser held, indem es feuer regnet,
mit seinem theuren blut, sigreich, die welt gesegnet,
da dan das firmament bald krönet seine stirn:
damal ist unser held (sprich ich) uns zu entfahren
als wahrer Herkules dem himmel zugefahren,
da er dan leuchtet klar, ein neues nordgestirn.
Kaum, kaum war das gerücht (niemal stum) laut erhöret,
wie daß Gustav der groß der götter zahl vermehret,
daß sich vermehret auch des heers grim, stärk und macht;
mit ganz gerechtem zorn ihr herz und mut nun wachsen,
sonderlich tröstet sie Bernhard, der held von Sachsen,
daß numehr sterblich nicht ihr schutzherr und obacht.
Daher, des helden stell gebührlich zu vertreten,
hat er (als heimlich schon den stern sie angebeten
und er geführet sie begirig auf den feind)
geschleifet auf den grund ohn alle gnad und dauren
des eisenin feinds thürn und lebendige mauren;
da half kein herrenstand, da galt kein gelt, noch freind.
So mächtig war Gustav, und sein volk so andächtig,
daß es ihm opfern wolt ein opfer tausendfächtig
und tausendfältig mehr von volk und vieh zumal:
da Bernhard und sein heer, als ob sie all kriegspriester,
geschlachtet ohn anzahl des teutschen reichs verwüster
mit des schwerts scharfem blitz und grober stücken stral.
Ein regen, dick von blei, stein, erz und feuerschlossen
mit schwarzem dunst und brunst wird wider ausgegossen
mit scheutzlich herbem tod auf des feinds ganzes heer;
dan des nordsterns einfluß kan der feind nicht vermeiden,
sondern er muß, er muß des lebens schifbruch leiden
in seinem auf dem feld noch rasenden blutmeer.
Damal der bleiche feind, den der nordstern verdrieße,
hat seinen geiz, ehrgeiz und blutdurst gar gebüßet,
sich saufend voll mit blut und beißend die walstat,
da dan des helden heer mit aufgehabnen händen
ersuchet got mit lob, daß sein werk zu vollenden,
durch ihres sterns kraft stark, sie niemal würden mat.
Sig- und trostreich zugleich erhöret und gewehret,
befand es sich alsbald, und noch dazu gelehret,
[245]
daß lang in eitelkeit zu leben ganz umsunst;
dan unserm lebenslauf ein kurzes zil gestecket
und nur der, der sein lob darüber weit ausstrecket
der ist den göttern gleich, der hat der tugend kunst.
Als nu das heer sigreich den helden wolt beweinen
sah männiglich mit trost klar an dem himmel scheinen
»der groß Gustav Adolf ist ewiglich gleichlos.«
und dieses Ebenbild ward ihm bald aufgerichtet
mit dieser überschrift, die keine zeit vernichtet:
»gleichlos ist ewiglich Gustav Adolf der groß.«

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TextGrid Repository (2012). Weckherlin, Georg Rodolf. Gedichte. Gedichte. Des großen Gustav-Adolfen etc. ebenbild. Des großen Gustav-Adolfen etc. ebenbild. Digitale Bibliothek. TextGrid. https://hdl.handle.net/11858/00-1734-0000-0005-93EE-7